Mon 28 Sep 2009
Es ist der Gesang einer Mutter, aus dem die dunklen Bäume emporwachsen und mich umspannen, als wäre ich der Himmel. Die Melodie flüchtet sich in den sehnsuchstvollen Schatten, aus denen neugierige Augen glitzern. Sie sind wohl nicht bösartig, denn nichts springt mich an. Nichts, außer ein kalter Schleier, der sich dumpf um meine Füße wickelt. Ihn trage ich herum, ihn und den dunklen Wald, und man sieht es in meinen Augen widerscheinen. Ich weiß nicht, wann ich aufhörte zu tanzen. Aber plötzlich fehlt es mir wieder, und die ersten zaghaften Schritte klingeln zwischen den Bäumen entlang wie ein kaltes Messer. Und dann erwarte ich einen Ausbruch, in den Armen sollte es beginnen, mit denen ich das Gestrüpp zerteilte und die Sicht auf den Mond zurück zu gewinnen suchte. Aber es kommt nichts. Kurz vor der Entladung in die Bewegung fühle ich die steinerne Schwere, in den Füßen, wie sie hinaufkriecht, und grotesk verdreht bleibt die Anspannung erhalten; und geht gerade deshalb verloren. Später sinke ich in mich zusammen, und das Mutterlied schlägt über mir zusammen. Streicht mit holzigen Noten die Sorgenflügel auf meinem Rücken glatt und bringt mit sanften Berührungen das Silber in mir zum Klingen. Und wenn jetzt der Schlaf käme, so wäre ich dankbar. Aber da ist noch diese Kröte. Tief unter mir sitzt sie, und kümmert sich nicht um das Mutterlied, das uns doch die Tränen aus den Augen trieb. Fett und warzig lebt sie vom Wald, und rülpst mir in die Gedanken, so dass das Sonnenlicht einen Schatten auf mir hertanzt. Und wieder furchen die Schultern den Weg uneben, den ich vor mir habe. Ein Klavier rieselt über den Rücken der Kröte, oder wimmelt, und aus den Schatten forme ich eine Seifenblase, in der ich zu dir schweben kann. Bis die Kröte sie mit ihrer Zunge zerschlägt, sie und den Mond, und ich weinend im Moos lande. Das Mutterlied hat sich zurückgezogen, und die Realität steuert auf mich zu, mit Libellenflügeln, die knistern wie Feuer beim Fliegen. Ich sehe keine Lösung. Mit beiden Händen fest vor die Augen gepresst.
Konrad Schulze