Station Story 4

Wenn man im Zug sitzt ist es nicht anders. Die Welt schüttelt uns gleichmäßig, schüttelt uns nicht durcheinander, das wäre ja aufregend. Sie schüttelt uns in Trance, schläfrig streichen die Stunden vorbei, nicht an mir, sondern an allem. Sie tragen buntes mit sich, zu schnell um es zu erfassen, und zu langsam, um keine Sehnsucht danach zu bekommen. Verwischt trägt sich die Welt an uns heran, Erinnerungen bleiben dann aber doch nicht. Es ist nicht so einfach. Aufgebracht sticht man uns durch den Taum, und sollten wir aussteigen, irgendwann,  so fliegt uns das Gepäck um die Ohren, auf dem wir so gemütlich saßen. Manchmal nickt einer ein, und schaukelt dann spannungslos auf seinen Knochen hin und her. Der Fahrtwind geht durch ihn hindurch und trgt den Dunst aus ihm heruas, der uns alle silbern betört, bis wir mitschaukeln, uns unseren Knochen, die wie uns silbern wünschen. Meine Hand liegt auf dem Bauch und stellt sich ein Kind darin vor. Ein silbernes, vielleicht, aber nicht zwingend. Der Bauch bewegt sich. Er atmet, er ist warm. Dann fällt er in sich zusammen, bis die schwarze Maske daraus hervorbricht und mir in die Hand beißt. In Wellen verbreitet sich der Schreck um mich, zitternd, erschüttert das Schaukeln und für einen kurzen Moment scheint es als hielten wir außerplanmäßig. Aber lieber nicht. Dein Gesicht schwebt, einem Schwert gleich über ir und schneidet mir alles vom Körper was den Zug verlassen möchte. Aber es möchte nichts. Freudig bleibe ich erhalten, im Glas, gekocht von deinen Händen und zerbissen von den Zähnen, die mir auf der Wirbelsäule den Rücken heruntergewachsen sind, als ich dich verlies. Die schwarze Maske in meinem Bauch lacht, und eine Stimme des Nordens klirrt auf der Haut. Dann fahren wir weiter, sanft schaukelnd, auf silbernen Knochen. Das Schwert habe ich zu mir herunter geholt und umarme es heftig, um Einschlafen begriffen. Und in der nächsten Wolke verschwindet der Zug, und auf dem Schnee liegt ein Junge, eine Stoffkuh im Arm, aus dessen geöffnetem Bauch rollen silberne Kugeln.

Konrad Schulze

picture: http://liquidkid.deviantart.com