Hinter mir liegt ein Wolf. Vielleicht tot. Und vielmehr trage ich ihn auf meinen beiden Armen. Das Fell ist stumpf und hängt traurig vom Wolf herunter, so wie seine Tatzen und seine rosa Zunge, von der kein Speichel mehr läuft. Ich sehe aus, als würde ich trauern. Aber. Da bin ich mir selbst nicht sicher.

Um mich hetzt die Meute weiter, wild durch die Nacht, sie beißt und faucht, der ganze Wald schrillt voll ihrem treibenden Jaulen. Ich habe die Bisswunden an dem Fell abgestreift, und meine frische Haut leuchtet milchig in der Nacht. Die Nacht ist wie Nebel, und mein Licht ist sichtbar wie eine extra Schicht um mich her. Liebevoll fahre ich durch das Wolfsfell. Es ist, wonach es mich eigentlich reißt. Finger in drahtigen Haaren. Sanft. Mit einer Melodie, die unhörbar von den Lippen sickert und sich mit dem Licht untrennbar vermischt hat, ehe sie ankommt, am Wolfsohr.

Man könnte meinen, es wüchse eine rote Blume aus dem Fell, und ich bin sehr geneigt, es zu glauben. Aber es wird Blut sein, und die ständige Angst vor der vermeintlichen Grausamkeit der Realität lässt keine Blume wachsen, letztendlich. Obwohl es einfach wäre. Einfach den Fingern folgen, die ohne Augen durch das Haar wandern.

“Ich bin bereit alles zu opfen um nichts verlieren zu müssen”, schrie er. Und verlor alles, wie er es opferte. Aber nein. Hätte alles verloren. Wie haben ja nichts verloren. Die grauen Wölfe hetzen uns und reißen mit ihren lüsternen Zähnen an unserem Blumenbeet. - Es bringt nichts, einen von ihnen zu begraben. Und da endlich weine ich einen Bach über den Wolf. Nicht des Wolfes wegen, den ich vermutlich schoss, um aus ihm hervorzukriechen. Nein. Ich weine wegen des Sturmes aus Wölfen der über uns hereinbrechen wird, oder schon brach, und der mir nicht in die Hände fahren wird, nicht aus den Augen leuchtend hervorbrechen wird, nicht mich zu Säule aus Siegesgewissheit wachsen lässt wie der Wind, der mein Freund geworden war. Nein. Dieser Sturm wird ihn umwerfen, mit sich reißen und fliegen lassen, während ich verlacht von den grauen Wölfen verbrenne. Gelb. Hinter mir liegt ein toter Wolf, während um uns die Meute lüstern hetzt.

Konrad Schulze