Ich hetze durch die Nacht, die düster um mich vor sich hinstöhnt, sich wälzt und ab und zu den Mond sehen lässt. Schon erschöpft hängt mir eine große Zunge zum Mund heraus und der Speichel läuft daran herab, wird durch mein Rennen in die Nacht geschleudert, die ihn stöhnend aufnimmt. Um mich rennt es ebenfalls, aber sie sind in den Schatten verborgen und der Mond vermag sie nicht zu enthüllen. Das Ziel ist uns gemeinsam, es liegt vor uns. Es ruft, als würde es nach Blut riechen, als müssten wir es nur noch zerfetzen und verschlingen, ehe wir uns dem nächsten zuwenden. Schwer ist es, nicht an das Ziel zu denken. Selbst bei Tag würde so keiner die Gegend wahrnehmen durch die man hetzt. Aber es ist Nacht, stöhnende, und die Gegend existiert nicht mehr.
Zwischen den Muskeln meines Rückens gebiert der Mond eine Burg, noch dunkler als die Nacht selbst, stel und schroff ragt sie über uns zusammen, verschlingt den Himmel und hat ein glühendes Auge, irgendwo zwischen den Zinnen. Auch in deren Gängen hetzt es, dem gleichen Ziel zu, und meine Haare richten sich wütend auf. Der Klang der harten Krallen, die durch die Steine fruchen wie gläserne Klingen, mit denen geopfert wird. Ununterbrochen. Und die Nacht stöhnt, vielleicht lustvoll, vielleicht gequält, aber auf jeden Fall enthemmt. Bedrohlich ragt die Burg, und kaum bemerke ich das Fleisch, in dem sich meine Zähne verfangen, versenken, dass sie zerreißen, in Stücken aus der Burg, dem Tor, und dahinter wartet die Meute. Ich weiß es genau. Dann, der Mond zerbrach zwischen den Schreien der sich windenden Nacht, öffnet die Burg sich freiwillig, ihre weiten Tore, und die Hunde ergießen sich über mich, knurrend, jaulend, heulend, triumphierend. Ich beiße und reiße, und spüre die Zähne nicht, die sich ungefragt in mich verbohren. Die Leftzen zum Lächeln hochgezogen glaubt keiner den Hetzschweiß, der mir von der Zunge rinnt.
Und im Kampf noch verblutet die Nacht, verblutet das Schloss und der Märchenwald, und alles was bleibt ist ein großes Meer, silbern, an dessen Grund sich die Sehnsucht langsam dreht, die von der Hetze nicht gelindert werden konnte. Wie in einem Bauch. Meine Finger gleiten langsam durch die weichen Federn des Vogels, der mich über das Meer fliegt. Fest an den Hals geschmiegt möchte ich einschlafen, dem fremden Herzschlag lauschend. aber es geht nicht. Ehe ich es mich versehe, taumelt der sichere Schritt und rinnt über die noch warme Wange ins Leere.
Konrad Schulze