Ich gehe immer die gleiche Straße entlang. Meine Füße kennen die Stellen schon, die gefährlich sind. Gerade ist es so dunkel, dass ich nicht sehen kann, wo ich hintrete. Aber ich weiß es, so oft bin ich hier schon gegangen. Tanzend fliege ich darüber hinweg und meine Füße treten immer zwischen die hungrigen Münder. Aber trotzdem ist heute etwas anders. Grundlegend. Ich kenne zwar den Weg, aber ich weiß nicht wo er hinführt. Gestern nacht war es, da haben sie die Landschaft beiseite geräumt und mir nur die Straße gelassen. Seitdem ist es dunkel. Natürlich habe ich mich erschrocken, und der erste Schritt ging auch in die offenen Messer. Es hat geblutet, heute den ganzen Tag, und alle haben es gesehen. Ich möchte nicht wissen, wie sie sich das Maul zerrissen haben. Ich versuchte den Fuß notdürftig zu verbinden, aber die Blutung hat sich erste beruhigt, als ich anfing zu weinen. Jetzt geht es. Ich konnte auch schon wieder tanzen, das Zimmer mit roten Fußabdrücken schmücken. Jetzt laufe ich kopflos auf der Straße entlang, folge ihr wohin auch immer. Wie ein schwarzer Wurm schlängelt sie sich durch die Nacht,  und nichtmal der Mond spiegelt sich in ihren Scherben. Vor Schreck habe ich auch vergessen, dass ich der Straße nicht vertraute, erst, und dass es keine Sinn ergibt, ihr jetzt zu trauen. Aber, sie ist auch das einzige, das mir bleibt, so absurd es klingt. Ich weiß nicht mehr weiter, muss das aber auch gar nicht. Die Straße weiß es, die vor meinem Kuss geflohen ist, und die ich, wie immer, festhalten musste, um nicht zu fallen. Ich glaube, bald wird die Straße auch verschwunden sein. Abgerissen, und dann schwimme ich komplett im Leeren. Bleibt mir nur, auf den Mond zuzuschwimmen, und mir die Flügelstümpfe zu verbrennen, die dort sind, wo die Landschaft an mir festgemacht gewesen. Doch von Seufzen und Misstrauen läuft sich die Straße auch nicht zu Ende, würde Janus jetzt sagen, und so laufe ich, weil ja die Landschaft fehlt, in die ich verschwinden könnte. Und, soweit ich ehrlich bin, die Landschaft kommt sicherlich wieder, sobald du mich freiwillig küsst, mein Jonathan. Und endlich habe ich die weiße Hose an, die fast wie ein Kleid wirkt, und die die Straße um mich wie ein Mond erhellt. Also weitertanzen, es blutet auch nur noch wenig. Bevor ich in die nächste Schere trete ist es bestimmt geheilt.

Konrad Schulze