February 2008
Monthly Archive
Fri 29 Feb 2008
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Ich bin groß wie der Mond und fließe über die Kanten der Welt. Ja, ich weiß. Immer ich. Aber ich kann nun mal nicht darüber schreiben was du bist. Noch nicht.
Ich bin groß wie der Mond und fließe über die Kanten der Welt. Unter meiner Haut sammelt sich gleißendes Licht. Manchmal dreht es sich, wie silberne Kugeln, zu einer noch ungehörten Melodie. Unter der Wange, zwischen den Rippen oder am Bauch nahe der Beckenknochen. Doch immer so dicht unter der Oberfläche, das die Haut durchsichtig wie Glas wird, und den Blick in einen silbernen Kelch freigibt, in dem sich hellrotes Blut windet und formt, wie entstehendes Leben am ersten Tag der Geschichte. Kurz bevor ich zerplatze reißt die Haut, und das Licht schießt in goldenen Speeren aus den Rissen in das Dunkel der Nacht. Wie Kontinente driftet meine zerstückelte Haut durch das leuchtende Meer, schwebt voneinander weg und lässt nichts übrig, als einen kleinen Kern, der lächeln würde, wenn er Lippen hätte.
Konrad Schulze
Wed 27 Feb 2008
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Und da liegt der Fluss. Umringt von niedrigen Häusern, die ihre Dächer gefährlich nahe an das Wasser herrabneigen, als wollten sie daraus trinken. Ihre oberen Fenster sind aufgesperrt und ein fauliger Wind tropft aus ihnen, nach verdauter Wäsche und schleimigen Stroh. Früher waren es Tränen, heute ist es Magensäure, die den kurzen Strand betonhart und weiß werden lassen. Man fragt sich, warum der Fluss überhaupt beschlossen hat, duch das vergammelte
Dorf zu fließen, oder warum er sich nicht aufbäumt und die Häuser aus Pappe mit einem lässigen Schlag seines Schweifes beiseitezufegen wie Fliegen. Maden, die aus den Abfällen klettern, die er selbst dahingeworfen hat. Oder das Umland. Das kräftige grüne. Kitschig und erhaben ragt es hinter den Häusern auf, und man wartet nur darauf, dass es die Herde beim Saufen überrascht und endlich dem stinkendsten und fauligsten Haus mit einem geschickten Biss in die Kehle ein Ende bereitet.
Und doch, des Nachts, wenn die Häuser geisterhafte Lichter in ihren Fenstern flackern lassen, die Landschaft schläft und der Fluss friedfertig vor sich hinmurmelt, dann kommt ein Ende gar nicht in Frage. Kam es jemals in Frage, das ist die Frage, die sich zu fragen niemand traut. Von allen Momenten des Lebens, die sich jeden Tag tausendmal wiederholen, ist es immerwieder dieser Punkt, den die Häuser am liebsten erleben. Dann spannen sich ihre Dächer und schaukeln kurz kraftvoll durcheinander, wie ein Haufen Widerriste, und man hört sie die Gewissheit schmatzend zerkauen und verdauen, bis nichts mehr von ihr übrig ist, und alles wieder in die skeletthafte Starre zurücksinkt die da Angst hieß. Bis der nächste Brocken Gewissheit mit dem Fluss vorbeigeschwemmt wird und der nächste, und der nächste. Dazwischen schweigt das Dorf. Unfähig.
Konrad Schulze
picture:http://e_evtushenko.deviantart.com
Sat 23 Feb 2008
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[...]
Und aus den unförmigen Händen löst sich das schamhafte Wort.
Clarice Lispektor
Fri 22 Feb 2008
Etwas rieselt weiß vom Himmel. Der ist ein viereckiges Loch, und anstatt Wolken spannen sich Drahtseile von links nach rechts, an denen man Realitäten aufhängen kann wie zum trocknen. Und bei Bedarf lässt man sie herunter, stellt sie mitten in den Raum, um ungeliebte Teile dahinter verschwinden zu lassen. Körper stehen oder liegen auf dem Boden, unbewegt, obwohl man sich durch sie hindurch und über sie hinweg rollt. Kalte Körper, auf denen sich das weiße Pulver sammelt, und doch sehen sie aus wie Menschen. Man könnte meinen, es handelt sich um eine Fotographie, eine alte, die beständig an Farbe und Körperlichkeit verliert. Und doch überholt sie uns immer wieder, so schwach sie auch wird.
Und nachts, wenn wir das Bild beiseite legen, wohlwissend, dass es am nächsten Tag noch blasser sein wird, wenn wir es auf den Tisch legen und uns ins Bett, wenn das Licht gelöscht wurde, dann glüht es in uns. Warme Farben erfüllen es. Es schlägt Wurzeln, die kriechen und tasten so lange, bis das ganze Zimmer zerwuchert auseinander platzt. Bis sie unseren Mund gefunden haben, in uns hineinwachsen, schmerzend, vom Rachen ins Hirn, durch die Brust ins Herz, durch den Magen und zu den Zehen und Augen wieder heraus. Bohrend. Die Farbe aufs neue in uns pumpend, damit wir ja nicht vergessen. Kühl liegen wir am nächsten morgen da, nicht dazu bereit, aufzustehen. Mit weißem Salz bestreut, das Bild auf dem Schreibtisch nur noch eine weiße Seite mit grauen Flecken. Die Linien jedoch leuchten in uns, an uns, auf uns, durch uns, nur sieht man sie nicht, da die Sonne zu hell ins Fenster scheint.
Konrad Schulze
Fri 22 Feb 2008
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In dem Zimmer steht nur eine Kerze. Sie ist die einzige Lichtquelle, sonst gibt es nichts. Ein Spiegel und eine alte Dose aus Metall fangen das sanfte Licht, und streuen es ziellos über die scheinbar sinnlos verstreuten Dinge, die den ganzen Boden füllen, die Regale, den Tisch. Freundliche Schatten kriechen unter ihnen hervor, greifen nacheinenander wie zum Spiel oder verstecken sich in den Höhlen, die sie geboren haben. Ein großer Pfau läuft aufrecht und mit aufgestelltem Rad durch den Wust, schillert und glitzert im Licht der Kerze. Sie webt Fäden aus Licht zwischen seinen Augen und dem Liegengelassenen, so dass es aussieht, als sei er im Zentrum eines Netzes gefangen, dass ihm jedoch gleichzeitig überall hin folgt. Stolz tritt er in die kleinen Schatten am Boden, zertritt sie und scheucht sie zurück in die Nacht, die nur sein kann, wo er nicht ist. Langsam, ja fast genüsslich platziert er seine Füße auf dem Umherliegenden, und im Pfauenlicht erkennt man nun: das sind Puppen. Teile von Puppen, Köpfe, Beine, Rümpfe. Alles recht hübsch, und ohne eine leise Ahnung von kindlicher Gewalt, liegen sie mehr wie unfertig zusammengesetzt als wie zerstört und liegengelassen hier. Der Pfau tritt sie nicht mit Verachtung. Mehr, unter seinen Füßen fügt sich zusammen, was hilflos nebeneinander lag, und doch zusammen gehörte. Man könnte meinen, er sei der Puppenarzt, doch umgibt ihn dabei eine Aura von Abwesendheit und Bedeutungslosigkeit, dass ihn wohl niemand als bewusst bezeichnen könnte. Er schillert bewust, aber er heilt ohne es zu bemerken. Die Schatten werden immer weniger, die kompletten Puppen immer mehr, und der Raum beginnt sich mit zusätzlichen Kerzen zu füllen. Wir alle wissen, dass der Pfau nicht fliegen kann, doch wartet ein jeder von uns, wann er denn die Flügel ausbreiten wird, um zu verschwinden. Oder die Kerzen zu löschen.
Konrad Schulze
Fri 22 Feb 2008
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Der Topf war immer ein ungenutzer gewesen. Er hing, staubig von Beginn an, oben zwischen den Spinnweben und den Fledermäusen, am einzigen Haken, der so hoch noch angebracht war. Keiner schenkte im groß Beachtung. In einem bestimmten und etwas zu offensichtlichen an ihm Vorbeischauen offenbarte das gesamte Personal nicht nur sofort seine Anwesendheit. Nein, man hielt den Topf auch sofort für keinen gewöhnlichen Topf, um in der nächsten Sekunde unnwillkürlich ebenfalls an ihm vorbeizuschauen und ein Geheimnis mehr auf den Stapel zu werfen, der irgendwann zu hoch für neue Geheimnisse wird. Und tatsächlich.
Es sollte der Tag kommen, an dem ein junger Koch den Raum betreten würde. Auch ihm fiel sofort das Loch in der Aufmerksamkeit aller auf, in dessen Mitte ein rostiger Topf versuchte zu glänzen. Und jener Koch hatte keinen Stapel, auf dem der Topf hätte landen können, oder der Topf war des Stapels nicht würdig, was weiß ich denn. Wichtig ist doch nur, dass er den Topf vom Haken nahm, und ihn mit einer etwas gleichgültigen Geste vom Staub befreite. Es war Totenstille in der Küche. Die Realität hatte sich in einen Topf verwandelt und mehr gab es nicht. Aber der junge Koch hielt nicht etwa inne, nein, flink und geübt stellte er ihn aufs Feuer, goß etwas Wasser hinein und begann zu kochen. Immernoch bewegte sich niemand, das Personal, nun selbst zu Geschirr und Gemüse geworden, wartete ängstlich darauf, in den Topf getaucht zu werden. Und wie er so kochte und schnitt und rührte, da quoll farbiger Rauch aus dem Topf, zum Entsetzen der anderen Köche, und breitete sich in der ganzen Küche aus, verschluckte oder verschleierte Schränke, Früchte und Fleisch, quoll überall hinein und heraus, und lies alles weich werden. Vergnügt pflügte der junge Koch seinen Weg durch den Qualm, dessen Mittelpunkt er seltsamerweise zu sein schien, obwohl der Rauch ja ursprünglich aus dem Topf kam.
So weit so gut, bald darauf wurde der junge Koch müde und verließ die weiche Küche, wenn auch nur, um bald schon zurückzukehren. Der Topf, bisher zwar anders, doch sehr erträglich, konnte dies jedoch nicht wissen. In panischer Angst, vor dem Haken, den Fledermäusen und keinen Blicken, kochte und kochte er, einen Verteidigungsqualm gegen das näherrückende Küchenpersonal, wurde dunkel und feucht, wallte wütend wie schwarzer Wein schwer durch die Küche und warf jeden von den Füßen, der sich rührte. Ein Sturm schattiger Tinte tobt seither in der Küche, und man wartet auf die Rückkehr des jungen Kochs, auf dass er den Topf bändige, und entweder anständig damit kochte, oder ihn aber an den Nagel zurückhängen würde. Vielleicht auch eine Reihe tiefer.
Konrad Schulze
picture:http://sultraviolet.deviant.com
Thu 21 Feb 2008
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Und dann war die Tinte alle. Leer. Tage gingen ins Land, und die Tinte tropfte vom Himmel, von den Blättern und Dächern, tropfte an den tiefsten Punkt, um dort zu einem schwarzen See zu werden und langsam sein eigenes Ufer zu fressen. Ja fressen. Mehr tat die Tinte nicht. Sie fraß, erst das Bild, dann die Stadt, dann das Leben, dass so tiefen in den dunklen Augenhöhlen lag, dass es einen gruselte, wenn man zu lang hinschaute. Wie alte Adern floß die Tinte über die Gegenstände, ein Netz, dass alles zusammenhielt, was freiwillig nie zusammengeblieben wäre. Auch jetzt noch strebt es auseinander, die Schatten des Vollmondes schlagen sich dazwischen und sprengen die mühsam erhaltene Realtität. Sie erschaudert, wie wenn man sie mit einer blutigen Pfauenfeder streichelte. Zitternd strebt sie auseinander, das erkaltete Blut wie eine Kriegsbemalung auf der milchigen Oberfläche, obwohl es keinen Krieg geben wird. Die Tinte ist alle. Leer. Die Reste tropfen noch. Von der Milchkanne und von den vom Wind zerzausten Haaren, bis alles leergetropft ist, und sich in einem weißen Papier auflöst. Gurgelnd verliert sich der letzte Schluck an der tiefsten Stelle und verschwindet, und hinterlässt das Auge mit einem Durst nach Kontrasten. So stark, dass es sich nach hinten verdreht, wie bei einem irren Pferd, und der vorgestellte Mund schäumt im Wahnsinn der Tintenlosigkeit. Blind. Es fühlt sich an wie blind, als wären Hände und Füße blind, und man könnte noch so sehr tasten, alles bleibt weiß, wohin man auch greift. In das Fell der Pferdes oder in den ausgetrockneten See. Wenn sich die Finger nach hinten drehen könnten, sie würden es tun. Ein Wind streift über die Haut, die sich so sehr nach ihm sehnte. Doch die Haut, die augenlose Haut, in der sich langsam Löcher auftun, in der Hoffnung, so etwas zu sehen, sie bemerkt ihn nicht. Weiß und löchrig liegt sie da, mit Resten des Pfauenblutes verteilt auf den rissigen Rändern der Löcher, die der Tintenlosigkeit entgegengähnen, als würde sie freudig und mit offenen Armen empfangen. Dabei würde die Haut lieber Kotzen. Eis und Schnee und Asche, am liebsten Tinte. Eine Tinte, die die Löcher wieder heilen ließe, oder aber neue Federn, neue Milchkannen und Blätter, und dazu Sonne, vielleicht mit Tintenwolken, wer weiß schon, was sich eine Haut so wünscht. Doch langsam, ohne Netzt durch nichts gehalten, driftet alles voneinander weg, wie nach einem Urknall, und wo früher das tintige Bild war, ist nichts mehr. Weder ein Loch, noch eine Haut. Auch kein weiß. Man könnte einen zusammengekrampften Bauch vermuten, der, zusammengeballt alles verweigert und sterben wird. Oder eine herausgeschnittene Zunge, die einsam an einem Haken hängt und träge versucht Worte zu formulieren, aber ihr fehlen die Lippen. Das ist ein guter Vergleich, denn dem Bild fehlt Tinte. Und wie die Zunge sich vergebens mitteilt, weil sie kein Geräusch macht, so ist es mit dem Bild, weil es kein Bild macht, ohne Tinte. Und so, um den Kreis zu schließen, hören wir auf, darüber zu reden, und lassen es in Vergessenheit geraten, langsam hineindriften, so wie es vorher auseinanderdriftete, das wird ihm wohl den Rest geben.
Konrad Schulze
Tue 5 Feb 2008
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Angekommen.
Verwunderlich, in wie vielen Farben und Eis sich Hass äußert. Doch nun, nach einer Ewigkeit bei ihnen, ist kein Hass mehr übrig. Nicht auf SIE. Nicht auf MICH. Nicht auf das Leben, das vor ihnen war.
Ich bemerkte es nicht, so fasziniert war ich, vorerst. Das Samenkorn neben der Bank über dem Tal, es keimte. Jeden Tag war ich oben, nachschauen, es befühlen, es mit meinen Hass füttern, der in bunten Farben aus meinen Händen floss und von der kleinen Pflanze aufgesogen wurde wie Wasser. Und daran tat sie sich gütlich, wuchs, eine farbenprächtige Heckenrose wurde aus ihr, schillernd und kräftig. Sie überstrahlte das ganze Tal, das kühle, weiße Tal, strahlte aggressiv und schrill von oben auf alle hinab.
SIE bemerkten es. Welch Genugtuung, endlich schienen sie MICH zu bemerken, zu sehen, zu berühren. Oh, wie gut es tat. Sie berührten mich nicht mehr wie einen Gast, sondern, fast wunderte es mich, wie eines ihrer Werke aus Eis. Erst nur zaghaft,doch je farbloser ich wurde, desto öfter, und desto unbefangener. Ja. Dies fiel mir erst viel später auf, als es mich nicht mehr stören konnte. Ich verlor an Farbe. Alles strömte aus mir heraus, der Hass spülte die Farbe aus mir, bis es keine Farbe mehr zu spülen gab, und keinen Hass mehr, der spülen konnte. Zu dem Zeitpunkt prangt die Heckenrose, meine Rose, mein Kind, mein erstes Werk wie ein großes, böses Auge über dem Tal, tauchte alles in rotes Licht, egal ob Tag oder Nacht. Mich selbst, langsam, bedacht und bläulich-weiß geworden, störte es fast. Niemand sagte etwas. Aber, nun fast einer der IHREN, konnte ich es spüren. Sie mieden das Licht der Rose, die wie eine Sonne auf sie herabstrahlte, die jeden Moment zu heiß werden und das ganze Tal in einen reißenden Strom aus Vergangenheit verwandeln könnte.
Und da war sie, die letzte Wegkreuzung, die eigentliche, hinter der zwei Tore den Rückweg verwehren würden. Eines aus Eis und Gleichmut, eines aus Tränen und Fleisch
Und dann: Die Kreuzung war schon immer da. In mir und an mir, schon bei den Menschen, nur konnte ich sie nicht sehen, oder wollte es nicht. Und jetzt, wo ich sie sah, erklärte sich alles. Nie war es das Unverständnis anderer, das mich flüchten lies, es war meine Verweigerung die Kreuzung zu betreten. Die Weggabelung natürlich an meinem Rücken festgenäht, unausweichlich wieder da, sobald ich langsamer wurde. Aber nun, mit all der Erkenntnis, all der verdammten Erkenntnis, die so lang auf sich warten lies, die so viel Hass forderte, ist alles offensichtlich.
Entschlossen nehme ich die Schaufel, steige zum Talrand hinauf, zur Bank und zu MEINER Rose. Genau das ist das Problem. Es ist meine Rose, und nicht unsere. Sie gehört hier nicht her, ist sie doch alles, was in mir sterben sollte. Langsam und zärtlich grabe ich sie aus. Es ist, als würde ich mein Kind entwurzeln, aber dessen sollte ich mir nicht zu sicher sein. Vielleicht bin ich auch ihr Kind, und dies wird meine letzte Rebellion, in der ich mich endlich von allem lossage, oder zu allem Ja sage, oder alles hinter mir lasse, oder alles integriere, oder all das zusammen. Ihre Wurzeln gehen tief, aber geduldig und ruhig steche ich immer wieder in das Eis, dem sie entspringt, und siege letztendlich. Zusammen mit der Rose, sie zärtlich im Arm haltdend, durchschreite ich das Eistor, höre, wie es sich hinter mir mit Endgültigkeit schließt, und werfe sie in den See, aus dem der Schmetterling stieg, der auch mich zu einem König krönte. Vor einer Ewigkeit. Die Rose versinkt in der eisglatten Oberfläche, ohne Wellen, ohne Risse, ohne Geräusche.
Und endlich kann ich singen, mit stummer, glockenkalter Stimme, ganz ruhig, und lauschen, wie das Lied zwischen den kalten Eiswänden des Tals hin und her springt und es mit geräuschlosem Klirren erfüllt. Aus meinen Händen fließt durchsichtig das Lied, ich, sie, WIR.
The End.
Konrad Schulze
picture: http://loganart.deviantart.com
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