May 2007
Monthly Archive
Thu 24 May 2007
Alles ist aus mir herausgeflossen. Stumm liege ich in der Nacht. Die ist nicht stumm. Insekten und Wind bauen eine Landschaft um mich her, die sanft gegen mich anschlägt, wie ein weicher Hammer, von jemandem geführt, dessen Hand nur zu wenigen sanft ist. Dumpf steigt mein Atem aus mir gen Himmel, ummantelt von der sinkenden Wärme meines auseinandergeflossenen Körpers.

Wie ein Leuchtturm steht meine Atem in der Nacht, sanft glühend. Der Wind geht umher. Ich habe ihn mitgebracht, wie einen guten Freund, und nun, wo ich vom Spiel erschöpft bin, da stahl er sich davon um durch die Gegend zu streifen. Er ist noch jung, der Wind. Es hängen Pflanzen von den Bäumen, erschöpft und entspannt wie ich, die bewegt der Wind sanft und findet sie langweilig. Es geschieht so wenig, dass ich mich endlich von mir entfernen kann. Ich atme mich aus, als kleiner, leuchtender Punkt schwebe ich aus meinen Mund und steige in der warmen Sommerluft auf. Eine Weile noch beobachte ich mich, wie ich mich von mir entferne. Doch dann entdeckt der Wind den tiefstehenden Stern und trägt mich fort, in den Wald hinein, weg von meinen Augen, die mich doch immer täuschten. Hier muss ich explodieren, mein Fühlen von mir schleudern und darauf hoffen, dass es zu mir zurückkehrt, um die Wahrheit zu erfahren. Ohne Sinne, die breitgelaufen da auf der Wiese zurückgeblieben sind, ist alles schwarz und stumm und nichts. Langsam sinke ich hinein. In etwas hinein, was kein Innen und Außen hat, aber mich doch mehr und mehr umgibt. Oder aus mir heraussprudelt, in die leise Nacht hinein. Eine Quelle. Ich bin eine Quelle, aus der die Stunden herausfließen und verblühen, die Nacht mit ihrem schweren Geruch füllen, mit jeder Stunde intensiver, drückender und bedrückender. So findet mich ein Sammler und schließt mich weg, oder ein Geograph und ergänzt mich in seiner Landkarte. So breitgelaufen finde ich keinen Widerstand, mit mir meilenweit entfernt, mit dem Wind spielend. Und so stellt mich jeder in seinen Schrank, säuberlich abgefüllt und beschriftet. So kann ich mich aber nicht finden, zerteilt und weggeschlossen, den Mund nicht finden, durch den ich wieder in mich hineinkriechen kann. Es bleibt nicht mehr als ein Fuß und ein wenig Nebel.
Konrad Schulze
picture: http://hepikied.deviantart.com
Tue 22 May 2007
düster weht der wind unter den steinen hervor und zerzaust die bäume auf dem weg in die stadt entreißt ihnen die blätter und das lächeln als ob er sie nicht mochte das nun aber konnte sich keiner vorstellen denn sonst sang der wind immer mit den bäumen tanzte mit ihnen und ging um ihren stamm herum wie eine katze um meine beine
angekommen in der stadt wächst der wind die geraden straßen mit ihren dicken müttern und deren gefüllte einkaufstaschen sind willkommene nahrung alles saugt er auf auch den see im herzen aus dem die tränen entspringen und die stadt kann nicht einmal mehr weinen rasend schnell wird er der wind der sturm nimmt häuser und türme mit wie vorher blätter und äste und mischt alles zu einem großen brei verklebt durch den tränensee
dunkel blinzelt der mond auf die stadt herunter als der wind seines spieles überdrüssig geworden ist und wendet sich ab selbst der mond wendet sich nun von der stadt ab in der die leichen vor sich hinschimmeln und die lebenden nichts zu essen finden man kann durch zerbrochene fenster hüpfen und auf der andern seite das haus durch die tür wieder verlassen wenn man nicht in der tinte steckenbleibt die dort wächst wo selbst die einsamkeit die zerstörten häuser verlassen hat da hineingeraten kommt fast keiner wieder hinaus und wenn dann fehlen im hände und füße auf seinen knien rutscht er noch die letzten meter seines lebens um eine schwarze spur zu hinterlassen die den weg weist zu seinem grab aber nein kein grab denn er liegt ja unbedeckt da nur die tinte über ihm ein schwacher film ölig und böse

die zeit macht sand aus allem zuerst den toten dann den lebenden zum schluss den steinen ein sumpf die stadt ist eine tür geworden eine tür zu stille hinter matschiger nimmersatter verderbnis nichts erbarmt sich sie zu verdecken oder zu verstecken kein grün kein grau kein rot auch der mond ist schon lang darin verschlungen in der eklen krake die ihre tentakel inzwischen sogar nach den steinen ausstreckt aus denen der wind einst fuhr von den bäumen hängen schwarze haare hexenhaare könnte man sie nennen denn sie kriechen des nachts von ihren wirten herab und durchkämmen die umgebung nach herrenlosen hälsen die es zu würgen gilt
von dem allen habe ich nichts mitbekommen denn ich liege schon länger unter den steinen aus denen der wind kam aber mit der nachricht erreicht mich genugtuung und zufriedenheit
konrad schulze
picture: http://AliceinDeadLand.deviantart.com
Tue 22 May 2007
Ich stehe am Fenster und schaue hinaus. Eigentlich sehe ich nicht wirklich hinaus. Meine Gedanken sind ganz in meiner Hand, die wie tot neben meinem Körper hängt. Ich mag sie nicht bewegen. Sie klebt. Sie klebt von den Massen, von euch, von Menschen die den Raum hinter mir füllen mit Lärm und Gestank. Die Haut auf meiner Nase kräuselt sich in angedeutetem Ekel. Ein tiefer Atemzug schließt mir die Augen. Meine Haare werden ein Helm, ein Wehrhelm gegen die Sonne, die siebzig Gesichter hat. Jedes davon heiß und grausam. So muss ich nicht mit anschauen, wie ihr mir den Stoff von der Schulter reißt und gierig in eure nach Schwefel stinkende Münder stopft, genau zwischen die gelben Zähne, die so oft versuchen zu lächeln. Aber ich wachse, ich wachse weiter, so ist der Plan. An meiner glatten Haut rutscht ihr ab. Quietschend bohren sich eure Krallen in meine Ohren, scheitern sie doch dabei, sich in mein Fleisch zu graben.

Groß und glänzend stehe ich zwischen euch, unbeweglich und nicht zu rühren. Männlicher Federschmuck ruht auf meinen Schultern, der Blick ist stechend auf das Land zu meinen Füßen gerichtet. Ich stoße euch nicht weg, ihr tut es ja selbst, ihr Erbärmlichen. Die Hand zuckt. Rasend durchschneidet sie die Luft, aus der in großen Tropfen rotes Blut sickert, bevor sie sich nach ihr wieder schließt. Ich morde. Ich morde. Ich morde. Ich morde um endlich zum ihm zu gelangen, der auf der anderen Seite des Fensters leuchtet. Um mich türmt sich tote Luft, infiziert die noch lebende mit Verwesung. Gelb wie Galle sickert meine Geduld über meinen Kopf, tropft von jedem Haar einzeln. Kristallhart zerspringt sie auf dem Boden, klingelt und singt wie zerberstendes Glas, und ich muss gleich hineintreten, ich spüre es. Die Nacht hält mich gefangen. Heiß brennt ihr in mir, ihr, die ihr alle stumm um mich verstreut liegt, wohin ich auch gehe. Seelenlos. Oder bin ich das. Ich kann nichts mehr sehen. Der letzte Tropfen Geduld hat meine Augen mitgenommen, gerade zerspringen auch sie zwischen meinen Füßen. Die Hand tastet nach dem Fenster. Warme Haut, ich bleibe daran kleben. Wir schreien. Wir. Wie schön sich das Wort anfühlt. Hier beginnt das Träumen, aber ich trau mich keinen Schritt weiter. Ich male Buchstaben auf die Haut, so oft, bis jeder sie lesen kann. Dann werde ich weggetragen. Warum hat er mich auf sich schreiben lassen? Von nun an blind sitze ich am Fenster und sehe auf meine Hand hinab, die sich immer schlechter erinnert.
Konrad Schulze
picture:
http://suerdas.deviantart.com
Tue 8 May 2007
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Plötztlich geschah das unaussprechliche: Franzl, Sepp und Anne-Sophie sprangen von Küste zu Kruste um das Wattebällchen wie Nachbars Känguruh zu kullern und schubsen, um so viel aus der flachen Regentonne unter dem Vordach zu stibitzen, kuddeln und gluckern, dass Egon frohlockte.
Coproduction: Ralf Schuster und Konrad Schulze
Mon 7 May 2007
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Es waren einmal drei kleine Schweinchen, die wohnten in drei kleinen Häusern gleich nebeneinander. Sie lebten friedlich und zufrieden, wenn da nicht der böse Wolf gewesen wäre, der immer Hunger hatte. Zum Glück gab es den Bären, der die drei kleinen Schweinchen beschützte. Der Wolf bekam nun aber so einen großen Hunger, dass er ganz viel Cola trank, noch ein bisschen mehr, und ein wenig Bier dazu. Damit rülpste er die Häuser der drei kleinen Schweinchen schrecklich an. Die lagen nun noch betäubt herum, so dass der Wolf sie in aller Seelenruhe einsammeln und mitnehmen konnte. Er entfachte ein Feuer und schnitzte eine Spitze, um die Schweinchen daran über dem Feuer zu rösten.
Da ich dies einem Vegetarier erzähle, kommt nun der Bär, und redet ganz lange mit dem Wolf. Er erzählt ihm, dass man Fleisch nicht isst, weil das den Schweinchen weh tut und so, und letztendlich kann er den Wolf sogar überzeugen. Der lässt die drei kleinen Schweinchen frei und heiratet eines von ihnen. Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende.
In der Küche
by P. Schl.