gewidmet meiner eigenen Dummheit, aber auch dem Tiger.

Ich hole die Wäsche aus der Maschine und stopfe sie in den Beutel. Wie immer. Alles machen wie immer. Die Wäsche riecht frisch, duftet nach Frühling und Sonne. Mühsam schleppe ich sie in den Keller. Alles wie immer. Müde hänge ich sie auf. Meine Finger werden dabei feucht und kühlen schnell aus. Fast kann ich es nicht mehr halten. Mein Herz. Behutsam habe ich es aus meiner Brust gelöst, ich will mich ja nicht schmutzig machen. Trotzem läuft mir dunkel Flüssigkeit an den Armen herunter und tropft auf den Fußboden. Vorsichtig hänge ich es auf die Leine, mit 2 Klammern, ganz vorsichtig, damit ich nichts einklemme oder zwicke. Hier wird es sich wohl fühlen, zwischen den Sommergerüchen und der sauberen Wäsche. Ich knipse das Licht aus damit die weißen Laken schwarz werden und das Herz nicht mehr auffällt. Es ist ganz still im Keller. Still und dunkel. Man hört nichteinmal die Tinte auf die feuchten Fließen tropfen. Aber ich weiß, dass sie es tut, genauso, wie sie vorhin meine Arme heruntergelaufen ist. Ich setze mich auf den Boden und lausche. Anlehnen kann ich mich nirgends, denn obwohl ich mein Herz von vorn aus der Brust geholt habe, so fühlt sich mein Rücken doch wund an. Als wäre etwas brutal von ihm abgerissen worden, von dem ich nie wusste, dass es da war.

Konrad Schulze

herz