October 2006


Die Schatulle

Verschlossen steht die Schatulle auf dem hübschen Stuhl. Sonst ist da nichts. Ein dramatisches Bild, die Schatulle auf dem hübschen Stuhl irgendwo in der Mitte des leeren, grauen Betonzimmers. Es gibt kein Fenster, aber aus dem Ungewissen fällt schräges Licht auf die Schatulle. Langsam breite ich mich in dem Zimmer aus, krieche vorwärts, tastend, in alle Richtungen. Mit meinem warmen Atem umarme ich den Stuhl, die Schatulle, dann flute ich über sie hinweg, umgebe sie völlig, sie ist irgendwo in meinem weichen Gefühl versunken. Fast tut sie weh, so eckig, so kalt das Metall. Ich zittere zurück, doch war sie zu schön anzuschauen. Sie lässt mir keine Ruhe. Wieder fließe ich um sie herum, umgebe sie völlig, diesmal vorbereitet. Meine Gedanken spinnen Netze über jeden ihrer Zentimeter, drücken und untersuchen, forschen, suchen Einlass. Aber ich kann nichts finden. Schön ruht sie in mir, schön und verschossen. Ich drücke, stämme mich, beiße, meine Gedanken fangen dabei an zu bluten. Mehr geschieht jedoch nicht. Ich spüre die Macht und die Erfüllung, die dort in Gold verschlossen liegt, aber ich kann sie nicht erreichen. Ich fülle inzwischen den ganzen Raum, fülle ihn mit Wut und Kraft, aber immernoch ist er leer, lichtdurchflutet, mit Stuhl und Schatulle. Sanft bette ich den Kopf darauf und höre Träume von Grün und murmelndem Wasser. Meine Gedanken fließen in blauen Wellen meinen Körper herab, wie ein großes Kleid, und tragen die Träume fort, bemalen Fußboden und Wände damit. Doch größer brennt der Wunsch in mir, endlich die sanfte Schatulle zu öffnen. Ich erfülle das Zimmer mit schwülem Gestank, so giert es in mir. Und alle meine Tore spucken dunkle Prozessionen aus, die stumm und unheimlich um den Stuhl wandern, nichts verstehen. Die Schatten nehmen sie auch wieder zu sich, ihr Bitten genauso erfolglos wie mein Drängen. Ich öffne die Augen zum ersten Mal und wo mein Blick hinfällt wachsen Eisblumen. Hellblaue Bestimmheit erfüllt kalt das ganze Zimmer und meine Gedanken sind eine Faust, die Leben zerquetschen könnte. Nur die Schatulle bleibt lichtbeschienen dort, wo sie schon vor mir stand. Die Kälte macht mich blind. Aber das Grün wurde Herbst und das murmelnde Wasser singt nun wie Glas. Ich spüre, nein ich weiß, dass ich sterbe. Die Schatulle hat mich getötet. Und da sie es weiß, weint sie. Öffnen tut sie sich nicht. Je kälter ich werde, desto mehr spüre ich die Anwesenheit meiner toten Vorgänger. Sie ziehen mich, schadenfroh und regungslos. Sie ekeln mich an. Oben auf der Klippe springe ich und schwimme in die Sonne. Aber hier? Ich nehme die Tränen der Schatulle auf, trinke sie und lege mich in sie. Ja. Ich lege mich in die Schatulle. Wie sie aufging habe ich vergessen. Jetzt bin ich darin und kann nicht hinaus. Und die samtschwarze Umarmung was es nicht wert, denke ich. Zu spät.

Konrad Schulze


Der Eisberg

Der Eisberg erwachte.

Leider war er der erste seiner Art, und es war sein erstes Erwachen. Hätte er Erfahrung sammeln können, oder wäre in sein Erwachen schon eine gewisse Gewohnheit eingezogen, so hätte er sich wenigstens gewundert. So aber betrachtete er die Welt um sich herum mit dem natürlichen Staunen, mit dem man die Welt zum ersten Mal erblickt.

Der Eisberg lag auf einer Wiese und sah sich von bunten Blumen umgeben. Er bemerkte auch kleine, lilafarbene Straßen, die durch die Luft führten, und auf denen winzige Wesen mit Flügeln hin und her sausten. In der Mitte der Wiese erblickte er ein aus Licht erbautes Schloss, auf einem Maulwurfshügel errichtet, wo die kleinen, nennen wir sie Elfen, hinein und heraus flogen und krabbelten wie Ameisen auf eine Ameisenhaufen.

Der Eisberg wunderte sich nicht. Niemand hätte ihm erzählen können, dass das, was er sah, und was auch teilweise auf ihm herumkletterte, nicht existierte. Niemand hatte ihn vorher darauf hingewiesen, dass die Welt in Dinge eingeteilt ist, die man sehen durfte, und Dinge, die man schlichtweg übersah. Und es würde auch niemand daherkommen, es nachzuholen. Lieder gab es da auch niemanden, der ihm sagen würde, dass er auf dieser sommerwarmen Wiese nicht herumliegen konnte, ohne zu schmelzen. So kam er nicht einmal auf die Idee, dies zu tun. Fröhlich schmolz er nicht. Das strengte ihn nicht an, er musste sich nicht darauf konzentrieren.

Als der Eisberg die Wiese eine Weile beobachtet hatte, erhob er sich und verschwand zwischen den die Wiese umschließenden Bäumen. Auch das stellte keine Schwierigkeit dar, existierte wiederum keiner, der feststellen konnte, dass Eisberge dies nicht taten. Er hätte auch schwerlich begreifen können, warum nicht. Es ging ganz einfach.

Konrad Schulze

Samstag Abend

Manchmal lebe ich den Großstadttraum
Ich sitze einfach in der Bahn, durch das Fenster sitze ich zweifach in der Bahn, weil es draußen dunkel ist. Ich komme mir so falsch vor wie ein Hochzeitskuchen. (Vielleicht sollte ich diesen Satz streichen.) Um mich herum steht eine Mauer. Ich kann sie nicht sehen. Niemand kann das, und sie stört auch keinen, außer mich. Wenn ich sie mit der Hand zerstöre, lacht sie nur. Sie hindert mich auch nicht daran, den Menschen, der mir gegenübersitzt, anzufassen. Als der sich wegsetzt, merke ich, dass mich dir Mauer lächerlich macht. Schnell setze ich mich auf den Platz, der nun frei ist. Wenn meine Hand kein Hindernis in der Mauer findet, warum sollte es dann mein Körper? Doch als ich sitze bemerke ich, das ich immer noch im Mittelpunkt der Mauer bin. Es ist also nicht eine Mauer, es ist meine.
An der nächsten Haltestelle steige ich aus, renne um die Hausecke und springe in den Bus. Noch bevor wir richtig losfahren, sehe ich, dass die Mauer immer noch da ist. Als ich sie bemerke, fängt sie an zu lachen. Es ist kein böses Lachen. Ein vierjähriger Junge, der sich ein besonders großes Stück Kuchen in den Mund steckt, stellt fest, dass er später mal Bäcker oder Jugendlicher werden möchte. Alle lachen. So lacht die Mauer. Jetzt erst recht. Aus dem Bus raus, die Strecke zurück, dann presse ich mich an einen Baum und warte, dass die Mauer vorbeirennt. Aber sie kommt nicht. Ich linse hinter dem Baum vor. Niemand. Ich bin allein. Meine Haare, das merke ich jetzt, hängen mir nass ins Gesicht. Oh, es regnet. Wie lange schon, frage ich. Keiner antwortet. Niemand lacht. Zufrieden gehe ich ein Stück, ehe ich feststelle, dass ich mich verlaufen habe. Ich suche mein Telefon. Langsam tippe ich die Nummer. Will Bescheid sagen, dass ich später komme. Doch zwischen meinem Finger und der Abheben- Taste ist plötzlich die Mauer. Ich versuche zu drücken, doch die Mauer lacht. Ich lache auch. Wahrscheinlich zu laut, denn mir ist es nachher peinlich. Nichts. Ich stehe da, peinlich berührt, und nichts passiert. Aufatmen. Trotz aller Bemühungen schaffe ich es nicht, anzurufen, die kleine Taste zu drücken. Ich weiß, die Mauer weicht nur durch meine Kraft, nur wenn ich mich endlich mir selbst öffne. Doch je eindringlicher ich mit mir spreche, desto stofflicher wird die Mauer. Ich beschließe erneut, Bus zu fahren. Mal sehen, ob ich mich zurück in bekannte Gebiete der Großstadt finde.
Angekommen in der Altstadt entdecke ich, dass ich wütend auf mich selbst bin. Ja, ich finde, dass ich mich hasse. Regelrecht. Ein Blick in die hohe, dunkle Kirche ändert nichts. Plötzlich stehe ich auf dem Turm. Ich weiß, dass ich nicht springen werde, doch ich spiele den Turmtraum, den Traum vom Fliegen. Ich hoffe, die Mauer hat auch Angst vor meinem Tod. Zerschellen würde sie mit mir auf dem Pflaster da unten. Es regnet ja immer noch. Die Mauer ist fast weg. Nun, wo ich vor mir selbst versagt habe, ist sie fast nicht mehr zu spüren. Fast. Sie würde wiederkommen, würde ich heute einen neuen Versuch starten. Die Drohung ist geblieben. Doch, denke ich, mein Ziel sollte sein, die Mauer zu zerstören. Die Zerstörung ist bloß vertagt!

Konrad Schulze

Stuttgart…

Es ist eine seltsame Sache mit dem Leben. Ich sollte ein Bild zeichnen.
Die Sonne scheint über unsere Stadt. 3 Menschen füllen sie. Es ist nicht so, dass die Stadt sonst leer ist, oder dass sie des Restes nicht bedürfte, nein, 3 sind keinesfalls genug. Aber während sich die 40 000 Menschen leicht als ein Mensch bezeichnen ließen, so sind die drei jeder für sich ein einzelner Mensch. Besser also: ein Mensch füllt die Stadt, drei genießen sie. Und das tun sie wirklich, denn sie benehmen sich ungeachtet der Gedanken des einen so, wie es ihnen gerade einfällt und gut erscheint. Das endet häufig in Gelächter zwischen den dreien. Das Lachen entdeckt Blumen und Brunnen, schöne Gesichter und von Sonne angemalte, alte Mauern, Wege, die sich zu einer Stadt zusammenfinden, und die gerne zusammenlaufen. Von Zeit zu Zeit sehen sie Vögel, von Zeit zu Zeit fühlen sie sich wie welche. In den Wassern glitzern Fische wie Augen in einem bewegten Gesicht. Während der Eine wie verrückt isst, genießen die Drei das Gefühl, sich von der Stadt allein ernähren zu können, und lassen die Bäcker am Rand der Straße zurück. Unter den dreien ist einer, der läuft unter einem Regenschirm durch das schöne Wetter. Der Schirm umspannt ihn von Kopf bis Fuß. Er ist zum Glück nicht aggressiv, aber nachdem die Drei es gemeinsam geschafft haben, den Regenschirm zusammenzufalten und im Gepäck zu verstauen verlässt er die Drei frohen Sinnes, so dass sie nur noch zu Zweit sind, in der großen freundlichen Stadt, wo man gerne hinzieht.
Doch die beiden bleiben nicht zu zweit. Kurz bevor sie beschließen können, die Stadt in guter Erinnerung behaltend zu verlassen, tritt einer, der einmal zu dem Einen gehörte, aus der Menge und spricht eine Wortfolge. Vielleicht, denkt ihr, können es magische Worte gewesen sein, so, wie sie deutlich wurden. Sie wirken nicht sofort, sondern entfalten langsam dunkle Schwingen, so dass dunkler Nebel durch die Straßen kriecht. Die Wege streben plötzlich voneinander weg, auseinander, und die Straßen sind voll hässlicher Gesichter. Auch schöne sieht man, doch tragen sie die Schönheit nicht mit Freude. Die Vögel sind zu Enten geworden, die sich nicht füttern lassen wollen. Der Schlamm, den sie aufwirbeln hindert die Fische am Glitzern, alle Augen sind verschleiert und stumpf. Noch bevor sie den Zug erreichen, der sie davonträgt, von der Stadt, wo sie gern hingezogen wären, bleiben beide an einem Bäcker stehen und kaufen süßen Plunder. Die Stadt ernährt sie nicht mehr.
Ob die Zauberworte den Weg zum Zug finden, hängt von einer Flasche ab. Den zweien kommt das komisch vor. Sie hätten die Stadt so gerne gemocht. Der Regen, der einsetzt wirkt fast kitschig, zu gemalt, aber er trägt die Farben davon und spült das Bild in den Abfluss. Das Leben ist eine seltsame Sache, das musst du nun ohne Bild verstehen. Aber du verstehst es, wenn du im Zug sitzt und Momo hörst.

Konrad Schulze

Dies ist ein etwas wirrer Traum, der sich vor allem mit dem Regisseur der Produktion Lantana an den Landesbühnen beschäftigt und ihm somit auch gewidmet ist. Wer nicht wirklich viel Zeit und Muse mit sich bringt, der sollte es nicht lesen.

LANTANA

Ein Mann, der gar nicht dazu gehört, dem auch noch zehn Jahre fehlen, meldet sich zu Wort. Dass ihm zehn Jahre fehlen ist merkwürdig, denn es sind ganz junge Menschen dabei, denen fehlen sie nicht. Anscheinend. Ein Griff hinter die Ohren bringt ihn zum Schweigen, was er sagte zeigt: er gehört hier nicht dazu. Ich sitze stumm dabei, gehöre dazu, irgendwie, und bin wütend. Nein, ich wundere mich. Fehlt mir jetzt der Mut oder hatte er zuviel? Anderntags bemerke ich: ich ging zu weit, ebenso wie er. Doch jetzt soll jener Abend sein, wo der Blick aus dem Fenster in die entfernte Stadt fällt und ertrinkt, an dem der späte Heimweg doch solange dauerte wie nie zuvor.
Entstand der Wunsch in mir mit einem Mann zu sprechen, so entdeckte ich bald: alle konnten meine Zunge bewegen, nur er konnte es nicht. Ich konnte es nicht. Die Entfernung zwischen uns war zu groß, echte Worte hätte ich rufen müssen und das Atmen der anderen war so laut. Doch einmal ging es. Vielleicht lag es daran: draußen war es Winter und ich glitt in der Nacht aus. Als ich das Gespräch bemerkte war es fast schon tot. Ich hätte es so gern genossen. Eine verschwommene Erinnerung erzählt davon, doch erinnert sich kein Fühlen, nur das Hirn steht da.
Roter Wein durchflutet das Zimmer und weißes Salz rinnt aus lachenden Mündern, den Wein aufzusaugen. Nur hier. Nur hier. Der Abend verfängt sich im Labyrinth einer geklebten Decke und alten Möbeln. Niemand versucht den Abend umzubringen und man redet über schon gegangene. Nur hier bleiben. Das ist alles. Hier bleiben und einen Baum fühlen. Die grobe Rinde. Noch kalt vom Winter. Nur hier bleiben und nicht zum Gespräch werden.


Vor langer Zeit schon stand es fest. Dass ich das Land einmal verlassen würde. Eigentlich so, wie ich es jeden Tag tue. Ich verlasse das Land und irre durch dunkle Gänge, Wälder, über Brücken, durch fremde Köpfe, vorbei an ihren Gedanken, vorbei an meinen, an alten Tagen und mit Vögeln durch den Himmel. Fast wie eine dreiäugige Krähe spreche ich mit mir. Ich verlies also das Land. In einen Keller ging ich, gehe ich, der ist voller Leute und Geräusche. Ich mag es nicht Lärm nennen, den Lärm ist für die Tage an denen ich alt bin. Ich dringe bis an die Wurzeln des Kellers vor und selbst dort fühle ich mich einsam. Habe das Gefühl, dass mich keiner ansieht. Ich streife durch das Land, knie an Quellen nieder und schaue an meinem Gesicht vorbei in den Himmel. Ich finde einen roten Pullover mit etwas drin. Seitdem fühle ich. Fühlte. Meine Finger erinnern sich noch an etwas warmes, mein Mund an einen anderen Mund, meine Augen an einen schönen Bauch. Ich vergesse leider so viel von meinen Reisen. Dann habe ich den roten Pullover mit den schwarzen Haaren zum Bus begleitet, habe ihn dort hineingesetzt, unten am Fluss, und habe ihm traurig nachgesehen. Wenn die Fische durch meinen Kopf schwammen fühlte ich mich seltsam. Oder wenn die Wolken mein Hut wurden. Auf dem Weg in den Keller möchte ich nicht heimkehren. Möchte Ihn noch einmal treffen Aber leider. Ich rieche die Wohnung schon. Ich muss noch einschlafen bevor ich aufwachen kann, doch so sehr ich mich auch anstrenge, in einem warmen dunklen Keller mit einem Lächeln in der Luft schläft man ein, und dann ist es vorbei.

silent spring von Siniwini.deviantart.com

Es schwimmt ein Schiff durch das klare Wasser, das Geräusch, wie das breite Paddel langsam durch das Wasser taucht, beruhigt mich. Durch das Dach der alten Sommerblätter scheint etwas Sonne und der Gesang gibt vor, der Hafen zu sein, den ich verlasse. Wenn ich meine Hand in das milchige Wasser tauche bleiben daran Tropfen von altem Blattgold hängen, wie Wachs an einer Kerze, und obwohl der Herbst Blätter über das Wasser deckt, wird die Sonne immer kleiner. Es wird Abend, immer mehr Stimmen füllen das Lied. Es ist traurig und klingt weit entfernt. Ein Blick in das trübe Wasser fesselt mich, und als ich aufstehe habe ich verstanden. Aus dem Boot wachsen Fenster und ich kann den Himmel nicht mehr sehen. Nicht wieder sehen. Ein Feuer brennt, die Stimmen sind jetzt ganz nah, tanzen um mich und ich weiß: der nächste Windstoß wird sie davontragen. In ein Leben hinein. Aber nein, der Wind wird mich fortreißen, weg vom Feuer, weg von den Fenstern, in den kühlen Fluss hinein, wahrscheinlich ein Fluss aus Worten und Seiten. Dann werde ich Lust darauf haben in eine Wolke zu steigen und die Stimmen im Wind zu suchen. Ich werde mich suchen gehen. Es muss noch mehr geben, als nur die Stimmen. Eine Hand, die nachher blutet, zerschlägt die Scheibe, und der Sonnenstrahl, der neben mir landet verbrennt den Stoff. Aus meinen Schuhen sickert Wein in die Landschaft, tiefrot, und alle schreien wenn sie es sehen. Ich schreie nicht. Die Wolke ist zu weich zum Suchen, und solange ich nicht taub bin, gewöhne ich mich auch an neue Stimmen. Hoffentlich vergesse ich die alten Stimmen schneller als sie mich.

Da war dieses blonde Kind. Naja. Er wirkte wie ein Kind. Und ich hatte das Gefühl, er war noch eins. Das war es ja, was mich so faszinierte. Natürlich sah er nicht aus wie eins. Keineswegs. Mann kann ihn nur jung nennen. Auch wenn ich ihn alte Worte sprechen hörte, ab und zu. Ich kann dieses Kind nicht vergessen. Darüber habe ich die Idee vergessen. Ich kann mich einfach nicht mehr erinnern. Immer wenn er da war machte ich mir zu viele Gedanken. Deswegen hörte ich auf dazusein.

Konrad Schulze

picture:

von Sina Abbassi

www.sinaabbassi.de.vu
http://Siniwini.deviantart.com

Krieg im Wohnzimmer

12 Mann Stück

Es spielen mit:

Ein Schwert
Ein Hut
Ein Auto
Ein Mantel
Ein Stuhl
Ein Schal
Ein Paar Schuhe
Des weiteren: Ein Nackter
Ein Sportler
Ein Tänzer
Ein Irokese
Und letztendlich: Der Fünfte

1. Akt, 1 Szene

- „Vielleicht ist es verboten.“

Flüstert der Mann mit dem Hut

- „Vielleicht tut es weh.“

Bekräftigt der nackte

- „Vielleicht,“

Äußert der Mann mit den bunten Schuhen

- „macht es Spaß.“

Ein anderer zieht sein Schwert

- „Vielleicht bringt es uns einen Vorteil?“

Ein Fünfter starrt bloß groß in die Leere, aus der die Männer kommen, wie aus einem Nest. Der Tänzer ist dafür, das sieht man deutlich. Der große Lange im schwarzen Mantel zweifelt am Erfolg des Ganzen. Dem Sportler ist das alles egal, er will etwas tun, doch der junge Mann mit dem Irokesenschnitt ist dagegen. Irgendeiner steigt aus seinem kleinen Auto und findet die Sache zu riskant.

- „Vielleicht verlieren wir unsere Anlagen, und was dann?“

Ein anderer, er trägt einen Schal, möchte nicht krank werden. Der alte Mann in seinem Stuhl schlägt vor, noch einmal gründlich zu überlegen, doch der junge Irokese lacht ihn aus. Er findet das sowieso alles albern. Die Männer sind unschlüssig und warten. Man kann sich sowieso nicht einigen. Da schlägt der Mann aus dem Auto vor, jemanden zu finden, der die Entscheidung allein fällt, ohne große Beratungen. Alle sind einverstanden. Alle außer der junge Irokese. Der setzt sich etwa abseits auf die Erde und bemüht sich, möglichst abweisend zu wirken. Seinem jungen Gesicht gelingt das nicht ganz. Die Abstimmung gestaltet sich schwieriger als gedacht. Der Nackte will nicht bestimmen. Alle sind sich einig, dass sich der Tänzer nicht eignet. Der Sportler hätte schon Lust, aber er wird nicht ernst genommen. Da aber der Hut und das Auto einer Meinung sind, sie wollen das Schwert, es wirkt am kräftigsten, ist die Sache entschieden. Der Rest äußert sich nicht. Von der Entscheidung entsetzt lässt der Tänzer sich einen Irokesenschnitt verpassen.
Um nicht falsch zu entscheiden, nimmt sich das Schwert den Sportler beiseite und berät sich mit ihm, ungestört von den anderen. Daraufhin holt sich der Sportler auch ein Schwert. Der Nackte findet die Schwerter zu gefährlich, und ist jetzt, rückblickend, gegen das Schwert als Entscheidungsträger.

- „Zu spät“

Sagt der Sportler und schlägt den Nackten mit der flachen Seite des Schwertes. Dieser ist ab jetzt still, er wird im Laufe des Stückes immer kleiner und verschwindet. Es herrscht ein kurzes, vorwurfsvolles Schweigen in der Runde. Alle schauen der Sportler entgeistert an. Doch dann scheinen sie die kleine Szene vergessen zu haben. Die erste Entscheindung des Schwertes schließt den Tänzer aus der Gruppe aus.

- „Wer braucht schon einen Tänzer und Schauspieler, einen Vagabunden“

Überzeugt er die anderen. Nur der Schal ist nicht einverstanden. Er möchte niemanden ausschließen. Der Sportler tritt langsam auf ihn zu.

- „Du hast uns gewählt, jetzt musst du auch mit unseren Entscheidungen leben“

Mit diesen Worten zerschnitt er den Schal. Der Mann mit dem Schal ist jetzt nackt. Er ist ab jetzt still und verschwindet gegen Ende des Stückes völlig. Kopfschüttelnd bemerkt der alte Mann in seinem Stuhl, dass sich so etwas früher niemand gewagt hätte. Man ignoriert ihn. Der Alte hätte aber besser den Mund gehalten, denn das Schwert hat ihn sehr wohl gehört. Zur Strafe beschließt es, den Stuhl als Thron zu beanspruchen. Rau stößt der Sportler den Alten vom Stuhl auf den Boden, so dass sich das Schwert zufrieden setzen kann. Der alte Mann steht nicht wieder auf, so kniet sich der Mantel neben ihn und untersucht ihn.

- „Plötzlicher Kindstod“

Stellt er laut fest und springt auf. Wutentbrannt mustert er das Schwert und den Sportler, hinter denen grinsend der Hut und das Auto Aufstellung bezogen haben. Voll von seiner Wut setzt sich der Mantel wieder und schreibt ein Pamphlet. Ein dickes Buch entsteht, in dem der Mantel mit den schlechten Zuständen in der Gemeinschaft unter dem Schwert aufräumt und es anklagt. Stolz liest er daraus vor. Laut, damit es alle hören.

- „Ich protestiere“

Bald schnellt das Schwert jedoch aus seinem Stuhl und befiehlt in bösem Ton.

- „Verbrennt es!!!“

Als es wieder sitzt lächelt es.

- „…und seinen Mantel auch…“

Hilflos sieht der nun nackte Mann zu, wie sein Buch und sein Mantel verbrennen. Da wendet er sich ab und strebt den zwei Irokesen zu.

- „Nana,“

Schreit der Sportler

- „du wirst doch nicht unvernünftig werden?“

Als der stolze nackt Mantel keine Reaktion zeigt, springt der Sportler auf ihn zu.

- „Wenn du dort hingehst, töte ich dich.“

- „Wenn ich hier bei euch bleibe, bin ich schon tot.“

Da meldet sich der Fünfte zu Wort. Ihn hat die ganze Zeit niemand bemerkt.

- „Hört doch auf, … ihr benehmt euch wie Kinder“

Will er sagen, doch bevor er zu Ende sprechen kann, durchbohrt ihn der wütende Sportler. Es wird ganz leise gestorben. Auf dem weißen Boden breitet sich Blut aus. Der nackte Mantel jedoch hat sich ohne Reaktion zu den Irokesen gesetzt. Sie rauchen und lachen und feiern Orgien. Angewidert beobachten die vier Mächtigen das Treiben. Der Hut klopft den Schuhen auf die Schulter und tastet ihn im Gespräch ab. Sie verhalten sich, wie erwartet, also ziehen sie eine Bilanz. Fünf gegen drei. Schnell beschließen die Schwerter, einen Krieg gegen die Irokesen zu führen. Dann könnten sie endlich ungestört entscheiden. Ohne Angst haben zu müssen, falsch zu entscheiden. Ohne das jemand ihre Entscheidung anzweifeln könnte. Schnell sind die Vorbereitungen getroffen, und sie rücken aus, um die Irokesen zu vernichten. Der Kampf entbrennt, anscheinend hat jemand die Irokesen gewarnt. Auch sie sind vorbereitet. Das ist ärgerlich, so haben die Schwerter kein so leichte Spiel wie erhofft. Mitten im schönsten Kampf, Hut, Auto und Mantel liegen schon im eigenen Blut am Boden, erheben sich die Schuhe und strecken das Schwert nieder. Der Sportler erstarrt.

- „Verrat“

Gellt er. Der Tänzer weint plötzlich. Der Irokese tritt das tote Schwert wie verrückt mit den Füßen. In den Augen der Schuhe glänzt rote Wut. So bleibt dem Sportler nichts anderes übrig, als kehrt zu machen und zu rennen. Auf dem blutigen boden jedoch rutscht er aus. Augenblicklich hat er die Schuhe im Nacken. Nach kurzem Kampf rollen beiden tot voneinander weg. Der weiße Boden hat sich in roten Schlamm verwandelt, in dem die Toten langsam versinken.
Leise singt der Tänzer ein trauriges Lied. Er schneidet sich den Irokesenschnitt vom Kopf. Völlig nackt und ohne Haare steht er zwischen den versinkenden Leichen und singt. Niemand erinnert ihn daran, was sie eigentlich vor gehabt hatten, vielleicht erinnert er sich ja selbst, bloß sieht er keinen Sinn mehr darin. Er tanzt auch nicht mehr. Der junge Irokese nimmt ihn in den Arm und sie weinen.

- „Ich war von Anfang an dagegen – und was hat es gebracht?“

Flüstert der Irokese und gräbt mit den Fingern Falten in sein junges Gesicht.

Konrad Schulze

Die Filitiden geweckt…

Wieder fliege ich. In letzter Zeit bin ich so oft geflogen, dass ich mich an meine Heimat gar nicht mehr erinnern kann. Zuviel Luft unter den Füßen, da verblassen die Erinnerungen. Obwohl der harte Rücken dieses treuen Tieres nicht gerade Luft ist. Ich habe einmal gehört, diese Flugechsen seien aus Stein. Das glaube ich sogar, so hart wie sie sind. Ich frage mich eh, wie diese Viecher fliegen können. Sie müssen massig wiegen, mein Gewicht kommt ja auch noch dazu, und alles verteilt auf einer Flugfläche, die kaum größer ist als ich es bin. Vielleicht hat da aber auch das Blaue Bündnis wieder seine Finger im Spiel. Dieser Botenflug geht auf jeden Fall nach Gorborda, eine wunderschöne Stadt auf einem Hügel, von Bergen umgeben und dicht an der Grenze zu dem Land wo immer Winter ist, so hoch liegt es. Gorborda dafür ist warm und alt. Ich bin froh nach Gordorba reisen zu können und nicht hinauf zu den kalten Elfen zu müssen. Nach tagelangen Flügen mit nichts als einer Steinkreatur als Begleitung hat man nicht auch noch Lust auf Stimmen und Lächeln, die an frisch gebrochenes Glas erinnern.

Endlich sehe ich Gordorba. Da liegt es, in der Sonne, rötlich wie der Wein, der dort auf mich wartet. Wir mussten wieder meilenweite Umwege fliegen, um Stützpunkte des Purpurnen Bündnisses herum, weil mein treuer Vogel anscheinend an Kraft verliert, sobald wir ihnen zu nahe kommen. Und obwohl ich nie Problem damit habe, so lange zu sitzen, selbst laufen ist immer angenehmer.

Plötzlich stellen sich die Ohren des Flugtieres auf. Zum ersten Mal seit ich auf ihm sitze, ja seit ich es gekauft habe, richtet er das Wort an mich. Eine Stimme, als mahlten zwei Mühlsteine aufeinander. „Ich spüre meine Kraft schwinden. Wir fliegen besser nicht nach Gordorba. Wenn wir es bis zur Grenze der Elfen schaffen, haben wir Glück.“ Damit schwenkt er vom Kurs ab. Nicht zu denk Elfen!. Aber die Seltenheit, eine Steinechse sprechen zu hören, lässt mich mit Widerstand zögern. In diesem Moment zerspringt die Erde kurz vor Gordorba, genau wo wir gelandet wären, und Widerstand wird irrsinnig. Ein riesiger pinker Berg quillt aus der Öffnung, ein Maul hat es auch, mit dem schnappt es hierhin und dahin und alles was es dazwischen zu fassen bekommt wird mit spitzen braunen Zähnen zermalen und zersplittert. Die Echse beginnt zu sinken. Aber hier können wir unmöglich landen! Aber wenn die Energie der Echse so schnell schwindet, bedeutet das, dass schon ganz Gordorba in feindlichen Händen sein muss. Mühsam schleppt sich die Echse auf den Abgrund zu, der zwischen Gordorba und dem ewigen Winter liegt. Wenn sie dahineinstürzt sind wie verloren. Ihr Boden besteht aus siedenden Kratern. Die Sonne hat sich nun in den blutroten Mond verwandelt, der immer über dem Gebiet des Feindes schwebt. Die Tore der Stadt haben sich geöffnet und ein Trupp Orcs sprengt meinem langsamer werdenden Tier hinterher. Noch sind wir hoch genug. Aber das Tier scheint nicht nur an Kraft sondern auch an Größe zu verlieren. Bald werde ich absteigen müssen, oder herunterfallen. Wir nähern uns dem Rand der Schlucht. „Halt dich an meinen Schultern fest, wenn ich zu klein werde!“ Damit klappt er die Flügel an und wir tauchen in die Schlucht. Im Sturzflug sausen wir der kochenden Brühe entgegen. Ade, du heiß geliebte Welt. Aber wenigstens hat der Feind die Nachricht nicht bekommen. Jedoch, was ist das? Auf den Blutgrasinseln zwischen den Kratern stehen Orcs. Sie warten auf uns. Immer schneller schießen wir dem Ende entgegen. Bitte lass uns in einen Krater stürzen, damit die Orcs die Nachricht nicht zwischen ihre dreckigen Finger bekommen. Ich schließe die Augen, als ob dadurch der Aufprall weniger schmerzhaft werden würde. Versagt! Woher wussten sie von meinem… verwundert öffne ich die Augen. Nur noch wenige Meter trennen uns von einem blubbernden Matschkrater, die Luft ist unerträglich heiß. Im letzten Moment öffnet die Echse ihre Schwingen, als sich der rieseige Krater unter uns wie ein Maul öffnet und heiße Luft rülpst. Wahnsinn. Die Luft fährt unter die Schwingen des Tieres, erfasst uns und schleudert uns in den Himmel zurück. Angstschweiß verhindert, dass meine Haare und Augenbrauen versengen. Wütend brüllt die Meute unter uns und setzt zur Verfolgung an. Und sie rennen schnell unter dem roten Mond, die Bastarde. Fast so schnell wie wir fliegen. Aber wir werden immer langsamer. Schon landen wir auf einer Blutgrasnarbe. „Renn“ knirscht die Steinechse. Aber ich kann das treue Tier doch nicht hier zurücklassen. Ich klemme mir die Echse, die nun nur noch ein viertel meiner Größe ausmacht, unter den Arm und renne. Der rote Mond fängt meine Fersen und klebt Gummi daran. So langsam bin ich noch nie gerannt. Und die Meute kommt näher. Aber was ist das? In der Felswand vor mir sind Höhlen, hunderte, aus denen Wasser fließt. Wasser, hier untern?. „Da sind wir sicher“ höre ich den Vogel whispern, seine Stimme nur noch wie 2 Kiesel, die gegeneinander schlagen. „Die Höhlen der Filitiden“. Von denen habe ich noch nie etwas gehört. Wie kommt es, dass mein Reittier mehr weiß als ich? Nunja, vielleicht ist es ja nicht nur aus Stein, sondern auch so alt. Mit letzter Kraft springe ich über den klaren Bach und lande in gewöhnlichem Gras. Die Orcs hinter mir heulen auf. Sie gestikulieren wild. Folgen tun sie mir nicht. Verwundert gehe ich zu dem alten Elfenbrunnen, der vor den Höhlen steht. Halb zerbrochen, wie alles von den Elfen, was man heute noch so auf dieser Welt findet. Wenn die Orcs so viel Angst vor den Höhlen haben müssen sie ja schreckliche Bewohner beherbergen. Orcs haben doch sonst vor nichts Angst. Sie haben doch ihren Mond. Ich beuge mich über den Brunnen und flüstere hinein: „Gordorba wurde von den Orcs zerstört. Sie sind hier, ganz nah, sie verfolgen mich!“ Das Letzte war gelogen, aber ich dachte es wäre eindrücklicher.Vielleicht würde das die Höhlenbewohner wütend machen? „Belastet doch mit dem Gram heutiger Stunden nicht die Filitiden.“ flüsterte die Echse, worauf sie im Stein des Elfenbrunnen versinkt. Doch kann ich das Gesagte nicht mehr rückgängig machen. Aus den Höhlen erklingt ein schwachse Gluckern. Es klingt kaum bedrohlich. Und dann quellen sie aus den Höhlen hervor. Tausende kleine und winzige blaue Kugeln, die piepsen und kichern, so dass ich trotz des kürzlich erlebten schmunzeln muss. Wie winzige Wassertröpfchen mit blauem Fell sehen sie aus, und ihr Kichern wendet sämtliche Sorgen von meiner Seele. Aber wieso haben die Orcs Angst vor solche possierlichen Tierchen? Ein etwas größerer Tropfen mit silberblauem Haar rollte auf mich zu und piepst ernst in meinem Kopf. „Schau auf den Mond, erster Mensch der uns sah.“

Ich schau auf den Mond und beginne zu verstehen. Zwischen den Filitiden steigt Nebel auf, so dicht wie Elfenseide. In Sekunden scheint kein Mond mehr, auch keine Sonne. Der rote Mond ist fort, bis auf das bläuliche Schimmern der Filitiden ist es fast dunkel. Mit einem Krachen spuckt der Elfenbrunnen meine Echse wieder aus, normal groß. „Ohne den roten Mond lösen sich Orcs zu feiner Asche auf.“ frohlockt er knirschend. Die wütenden Filitiden kichern. Ein leichte verbrannter Geruch wirde vom Wind herangetragen, und weißer Staub legte sich auf meine Kleider. Der Nebel bewegt sich nicht einmal. „Geht“ kichert der Älteste der Filitiden in meinem Kopf. „Geht und berichtet den Elfen, dass die Filitiden sich nicht mehr zurückhalten werden. Ein Mensch und Orcs haben unseren Frieden gestört. Die Welt wird nie wieder die gleiche sein. Wir singen Gordorba das Sterbelied.“

Der Flug zu den Elfen wurde zum schrecklichsten Flug meines Lebens. Eine ganze Welt in diesem Nebel. Was hatte ich getan?

Konrad Schulze

Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen, und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf ihre eigene Art heilt sie auch deine Narben, vorrausgesetzt, du vertraust ihr und lässt ihr die Zeit dazu. Meine Narben werde ich nicht anrühren. Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer. So sind die Regeln, Paleiko.

aus Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel


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