Thu 18 Dec 2008
Wie ich mich fühle? Wie fühl ich mich….
Ja?
Ich weiß nicht recht… Ich…
Ja?
Mein erster Gedanke war: ein schlafendes Brot auf der Treppe.. Aber dann…
*seufz* Ja?
Nein, es ist nicht Schlaf. Es ist etwas anderes. Kennst du das? Man tanzt wie wild durchs Zimmer, aber in einem, da tanzt es nicht?… Da tanzt das Nichts…
Ha, bestimmt nicht. Du bist so voll, in dir, dass du keinen Platz mehr findest, in dir, um zu tanzen.
Hm, Ja. Genau das ist es…
…von wegen Nichts…
Es ist, als würde ich am Fenster stehen und durch die Nacht hindurch auf das Meer schauen. Es ist warm. Doch die Musik spricht kühl zu meinem Rücken.
Ich dachte du tanzt.
Ich tanze doch! Gleichzeitig.
Wer tanzt, ist froh!
Das ist es eben. Ich bin nicht froh.
Na also. Du fühlst dich: nicht froh. Wozu das ganze Gelaber von Brot auf der Treppe und Tanz.
Janus. Du weißt so gut wie ich, dass ich so fühle, und dass es keinesfalls ausreicht zu sagen, ich sei nicht froh. Das ist erstens nicht genug, und zweitens vielleicht sogar eine Lüge. Manchmal glaube ich, sobald man Worte denkt, lügt man. Meine Worte sagen nie das, was ich sagen will.
Hätte ich Augen, würde ich sie verdrehen. Junge. Kann es sein, dass du wieder liebst?
Niemals!
Warum nicht? Du bist wirr und fühlst mehr als du sagen kannst…
Ich bitte dich. Sag einmal wir.
Wir? WIR? Du weißt dass ich niemals liebe! Ich bin ganz Wort.
Ja, ganz Lüge. Wir, wir, wir. Wenn ich liebe, dann tust du es auch, dann fühlst du es auch, dann sprichst du es aus, als ob man es aussprechen könnte…
Genug! Genug. Ich stelle die Frage nun so, wie du es brauchst. Nicht, weil ich annähme du hättest recht. Aber um dir zu helfen spiele ich mit. Kann es sein, dass wir lieben?
Ich halte es für unwahrscheinlich. Ich halte es nicht aus. Der Schweiß stinkt auf mir und hält den Wind fern, der mir sonst immer beistand. Es ist so anders, Janus. Vormals war ich ganz warm, und weich, und offen. Und jetzt, wo ich doch so sehr will, jetzt bin ich hart und Angst. Weißt du? Eine Muschel, die vergessen hat, ob in ihr eine Perle ruht, und die Angst hat nachzuschauen. Denn vielleicht hat sie die Perle ja verloren oder verschenkt.
Junge. Komm her. Hätte ich Arme, würde ich sie um dich legen. So müssen meine Worte ausreichen, die ich dir um die Schulter legen kann.
Worte! Immer Worte. Es sind die Worte, vor denen ich Angst habe, und am meisten vor denen, die nie gesprochen werden.
Es klingt, als hättest du kein Vertrauen.
Woher nehmen? Ich will so sehr. Ich fühle mich… jetzt weiß ich wie ich mich fühle: Wie ein roter Käfer auf einer weißen, leeren Wand, die so groß ist, dass man den Boden nicht sieht. Oder ich bin zu klein. Ich krieche und krieche, um endlich der Gefahr zu entkommen, hinunterzufallen, aber ich kann den Boden nicht finden. Und vielleicht kríeche ich ja auch im Kreis…
Dreh doch das Bewusstsein.
Wenn du einen Kopf hättest, würde ich ihn jetzt schlagen. Du kannst immer alles. Deine Worte können alles. Wohingegen meine… meinen können nichts! Und wenn ich anfange zu fühlen, anstatt zu sprechen, wird alles nur schlimmer. Janus. Sprich du für mich mit ihm.
Törichtest Kind. Ich habe keinen Mund, und er… er hat keine Ohren. Und höre endlich auf, mit Freuden zu verzweifeln. Du… Kind.
Janus, du warst schon immer unverständig und wenig eine Hilfe. Ich beginne wohl besser wieder zu tanzen. Ich weiß, dann kommt der Wind und bringt mich auf andere Gedanken.
Ja, tanze und spiele, und vergiss so das Wesentliche. Das wird dir nicht helfen!
Uns! Denn du liebst mit mir! Obwohl ich nicht weiß, ob es Liebe ist. Es ist so anders… so schwierig… so..
Mein Junge. Gerade jetzt erinnere ich mich der weisen Worte einer deiner Freundinnen. Kommunikation ist ein Spiel, und wer schmollt, verliert. Also spiele! Das ist es doch, was du kannst! Spiele! Wozu brauchst du mich, wenn du spielen kannst?
Konrad Schulze (und Katrin Kamin als Freundin)