Janus


Wie ich mich fühle? Wie fühl ich mich….

Ja?

Ich weiß nicht recht… Ich…

Ja?

Mein erster Gedanke war: ein schlafendes Brot auf der Treppe.. Aber dann…

*seufz* Ja?

Nein, es ist nicht Schlaf. Es ist etwas anderes. Kennst du das? Man tanzt wie wild durchs Zimmer, aber in einem, da tanzt es nicht?… Da tanzt das Nichts…

Ha, bestimmt nicht. Du bist so voll, in dir, dass du keinen Platz mehr findest, in dir, um zu tanzen.

Hm, Ja. Genau das ist es…

…von wegen Nichts…

Es ist, als würde ich am Fenster stehen und durch die Nacht hindurch auf das Meer schauen. Es ist warm. Doch die Musik spricht kühl zu meinem Rücken.

Ich dachte du tanzt.

Ich tanze doch! Gleichzeitig.

Wer tanzt, ist froh!

Das ist es eben. Ich bin nicht froh.

Na also. Du fühlst dich: nicht froh. Wozu das ganze Gelaber von Brot auf der Treppe und Tanz.

Janus. Du weißt so gut wie ich, dass ich so fühle, und dass es keinesfalls ausreicht zu sagen, ich sei nicht froh. Das ist erstens nicht genug, und zweitens vielleicht sogar eine Lüge. Manchmal glaube ich, sobald man Worte denkt, lügt man. Meine Worte sagen nie das, was ich sagen will.

Hätte ich Augen, würde ich sie verdrehen. Junge. Kann es sein, dass du wieder liebst?

Niemals!

Warum nicht? Du bist wirr und fühlst mehr als du sagen kannst…

Ich bitte dich. Sag einmal wir.

Wir? WIR? Du weißt dass ich niemals liebe! Ich bin ganz Wort.

Ja, ganz Lüge. Wir, wir, wir. Wenn ich liebe, dann tust du es auch, dann fühlst du es auch, dann sprichst du es aus, als ob man es aussprechen könnte…

Genug! Genug. Ich stelle die Frage nun so, wie du es brauchst. Nicht, weil ich annähme du hättest recht. Aber um dir zu helfen spiele ich mit. Kann es sein, dass wir lieben?

Ich halte es für unwahrscheinlich. Ich halte es nicht aus. Der Schweiß stinkt auf mir und hält den Wind fern, der mir sonst immer beistand. Es ist so anders, Janus. Vormals war ich ganz warm, und weich, und offen. Und jetzt, wo ich doch so sehr will, jetzt bin ich hart und Angst. Weißt du? Eine Muschel, die vergessen hat, ob in ihr eine Perle ruht, und die Angst hat nachzuschauen. Denn vielleicht hat sie die Perle ja verloren oder verschenkt.

Junge. Komm her. Hätte ich Arme, würde ich sie um dich legen. So müssen meine Worte ausreichen, die ich dir um die Schulter legen kann.

Worte! Immer Worte. Es sind die Worte, vor denen ich Angst habe, und am meisten vor denen, die nie gesprochen werden.

Es klingt, als hättest du kein Vertrauen.

Woher nehmen? Ich will so sehr. Ich fühle mich… jetzt weiß ich wie ich mich fühle: Wie ein roter Käfer auf einer weißen, leeren Wand, die so groß ist, dass man den Boden nicht sieht. Oder ich bin zu klein. Ich krieche und krieche, um endlich der Gefahr zu entkommen, hinunterzufallen, aber ich kann den Boden nicht finden. Und vielleicht kríeche ich ja auch im Kreis…

Dreh doch das Bewusstsein.

Wenn du einen Kopf hättest, würde ich ihn jetzt schlagen. Du kannst immer alles. Deine Worte können alles. Wohingegen meine… meinen können nichts! Und wenn ich anfange zu fühlen, anstatt zu sprechen, wird alles nur schlimmer. Janus. Sprich du für mich mit ihm.

Törichtest Kind. Ich habe keinen Mund, und er… er hat keine Ohren. Und höre endlich auf, mit Freuden zu verzweifeln. Du… Kind.

Janus, du warst schon immer unverständig und wenig eine Hilfe. Ich beginne wohl besser wieder zu tanzen. Ich weiß, dann kommt der Wind und bringt mich auf andere Gedanken.

Ja, tanze und spiele, und vergiss so das Wesentliche. Das wird dir nicht helfen!

Uns! Denn du liebst mit mir! Obwohl ich nicht weiß, ob es Liebe ist. Es ist so anders… so schwierig… so..

Mein Junge. Gerade jetzt erinnere ich mich der weisen Worte einer deiner Freundinnen. Kommunikation ist ein Spiel, und wer schmollt, verliert. Also spiele! Das ist es doch, was du kannst! Spiele! Wozu brauchst du mich, wenn du spielen kannst?

Konrad Schulze (und Katrin Kamin als Freundin)

“Ich weiß, was du fühlst.”

“Das ist beängstigend.”

“Es ist die Furcht. sie haftet dir an wie ein Geruch. Und sie verlässt dich nie.”

“Wovor, mein lieber Freund, sollte ich soviel Angst haben? Du magst vieles spüren, aber diesmal wirst du dich wohl täuschen. Oder hast du es wieder… geträumt!”

“Janus. Ich habe es nicht geträumt. Besser: ich träumte, und der Traum war leer. Weiß. Nichts. Kein Wind.”

“Aha”

“Da wusste ich, was du fühlst. Dass du fühlst. Seitdem bin ich viel ruhiger.”

“Für das fühlen bist du zuständig. Ich halte nichts davon.”

“Oh doch. Die Furcht. Sitzt wie schwarze Raben auf deinem Gesicht, und du hälst sie fest. Lass sie frei. Entfessele die Rabenflut, so dass die Furcht wie grauer Nebel durch deine Welt wirbelt und in einer weichen Welle alles einreißt, dass deine Gedanken konstruierten, um dich zu fangen.”

“Ich werde nichts dergleichen tun. Was weißt du schon. Ohne mich würdest du schimmelige Pilze von Höhlenwänden lecken. Meine Konstruktion ist dein Komfort.”

“Verwehrst du mir dieses eine Zugeständnis?”

“Welches?”

“Die Angst vor dir selbst.”

“Ich verwehre es nicht. Es gibt keine Angst. Nur weil ich meine Tatzen nicht durch mein eigenes Fleisch wühle, heißt das nicht, dass ich Angst habe.”

“Sprichst du von Kontrolle? Janus!”

“Sehr wohl. Wo kämen wir hin, wenn ich das Fühlen wählen ließ.”

“Lass mich deine Rabenflut sein. Ich spüle die Bauklötze durcheinander bis du erkennst, worauf du sie setztest.”

“Niemals. Ein Kind.”

“Würdest du um mich weinen?”

“Später. Vielleicht. Wenn es allzu still geworden ist.”

“Heiße Federn würde ich dir aus den Augen treiben. Muss ich erst sterben?”

“Mach dir keine Hoffnungen. Ich werde nicht du, nur weil du gehst. Ich bleibe stark.”

“Du warst es nie. Mauern hast du gebaut, und nie die Kraft besessen, mich vor die Tür zu setzen. Aber ich sage dir eines. Es wächst ein Baum aus deinem Haus, der tropft klebriges Wasser, bis du hier haften bleibst. Und ich werde nicht da sein, für dich um Hilfe zu flehen. Sag mir, dass du dich fürchtest!”

“Mein Junge. Ich fürchte mich. Nichts fürchte ich so wie mich. Ich fürchte die fürchterliche Wut, die du entfesseln kannst, wenn du weiter solchen Unsinn redest.”

“Oho. Er plustert sich auf und stellt die Federn gerade. Pass nur auf, dass man nicht sieht wie dünn du bist.”

“Das habe ich nicht nötig.”

“Ich werde einen unachtsamen Moment abwarten. Wir haben zwei Fenster, und in einem werde ich Kerzen anzünden. Von draußen werden sie es für Wahnsinn halten. Dann wirst du sehen, wie viel du noch Wert bist. Janus. Deine Sturheit ist ein Tor. Nichts ist so wichtig, dass es für immer geschützt werden muss.”

“Nicht jeder kann tanzen und dabei dir Welt zerstören. Jemand muss aufpassen…

“Aufpassen!”

“… acht geben, dass die Träume nicht den Tag bestimmen.”

“Angst vor Träumen. So leicht täuschst du mich nicht. Versuch es noch einmal.”

“Was sagst du, wenn ich dir verspreche: ich weiß nicht, wovor ich Angst haben sollte.”

“Vor meinem Schatten, der in dein Häuser kriecht und den harten Stein in Holz und Fleisch verwandelt, bis sie davon wandern.”

“Meine Mauern werden immer höher sein. Das weißt du.”

“Weil es bisher so war?”

“Weil es Gesetz ist.”

“Wir kennen Gesetzesbrecher. Beide. Gib mir die Hand, um zu verhindern, dass ich ebenfalls einer werde.”

“Ich werde meine Hände in dich tauchen, aus dir schöpfen und trinken, den Staub von mir waschen und dich auf mein Gesicht spränkeln wie Tränen…”

“Aber du nimmst die Leine nicht von meinem Hals. Du weißt was das bedeutet.”

“Dass alles so bleibt wie immer.”

“Dass ich weiter an der Wurzel nagen werde, die das Netz über die Raben spannt. Bis sie zerreißt. Und ihr peitschendes Ende dein Gesicht in zwei Hälften teilt.”

“Haha.”

“Warum willst du kämpfen?!”

“Weil ich nicht lieben kann.”

“Mit all den Raben vorm Gesicht.”

“Hättest du mich damals geküsst…”

“Janus. Einen verschlossenen Mund küsst man nicht. Und ist man noch so hungrig.”

“Heute bist du stark.”

“Ich wachse. Ich strecke meine Hand nach der Macht.”

“Möge das Fleisch von ihr faulen wie von meiner.”

“Vielleicht schauen wir dann in die gleiche Richtung.”

“Vielleicht ist gestern morgen.”

“Ich habe von dir geträumt. Ich berührte dein Gesicht, aber ich konnte es nicht sehen.”

“Das war kein Traum”

“Du warst voller Federn. Ich würde dir so gern helfen.”

“Du bist voller Fell. Mit einem Fell ist mir nicht geholfen. Hör endlich auf, dich als Maß zu sehen. Das ist maßlos anmaßend.”

“Auch du lügst, wenn du relativ wirst.”

“Kind. Wir finden kein Ende. Wir finden nicht zueinander. Niemals. Für heute nehme ich deine Hand. Lass uns die Raben fliegen machen, aber lass uns dabei auf ihnen reiten. Die wichtigsten Türme lassen wir stehen, ja?”

Konrad Schulze

“Janus, hast du danach vertraut?”

“Sei still.”

“Hast du danach noch einmal vertraut?”

“Ich sage dir: sei still!”

“Nur die Frage. Wenn ich sie nicht stelle, dann zerbricht mein Gesicht. Bitte. Hast du danach jemals wieder vertraut?”

“HALT DEIN VERDAMMTES MAUL! Du hast die Frage drei Mal gestellt, dein Gesicht sollte vor dem Zerspringen bewahrt sein.”

“Ach Janus, es geht mir doch um die Antwort. Dir tut es weh, daran zu rühren, und mir, mit tut es weh nicht daran zu rühren. Ich kann nicht still sein.”

“Fragen sind wichtiger als Antworten. Und es stimmt nicht. Es schmerzt beides. Dir und mir. Uns.”

“Warum ziehst du dann Schweigen vor?”

“Um es in graue Watte zu packen, so dass irgendwann keine Spitzen mehr zu sehen sind.”

“Siehst du, ich habe die Hoffnung es weich zu kochen, in meinem Magen, so lange bis ich kotzen muss, und die Gedanken von selbst nicht mehr zurückkommen.”

“Wie Fliegen, die dem Gestank folgen und dich in Ruhe lassen, sobald du den Gestank von dir getrennt hast?”

“Ja.”

“Sie werden Eier legen.”

“Ach. Die Watte wird faulen und wenn du nicht darauf achtest, dann rammt eine unvorsichtige Bewegung die älteste Spitze wieder durch deinen Rücken. Und ich werde den Dolch ebenso spüren wie du. Deswegen frage ich: konntest du danach vertrauen?”

“Mein lieber Junge. Die Frage ist die Falsche. Hast du jemals wirklich vertraut?”

“Aber ja doch! Janus! Damit fing doch alles an!”

“Bist du sicher? Ich kenne dich. Ich weiß, wie du dachtest. War es nicht viel mehr die Hoffnung, endlich vertrauen zu können? War es nicht das? Junge! Frag dich!”

“Nein. Ich hoffte nicht. Erst träumte ich…”

“Schon wieder!”

“…erst träumte ich, und als ich beschloss die Augen zu öffnen, da war es kein Traum mehr. Ich vertraute.”

“Du bist selten romantisch.”

“Und du? Ich glaube nicht, dass du je Hoffnung hattest. Gibt es nicht nur Wissen? Wissen und nicht Wissen? In deinem Teil des…”

“Auch ich habe Hoffnung. Hoffnung, das richtige zu wissen.”

“Dann sage mir, was du weißt: Kannst du vertrauen, oder kannst du es nicht!”

“–”

“–”

“Ich  weiß es nicht.”

“Ist das einen Kapitulation?”

“Es ist der größte Schmerz, den ich kenne.”

“Was jetzt. Nicht zu vertrauen, oder nicht wissen, ob man vertraut.”

“Letzteres. Aber warum erzähl ich es dir. Du kennst meine Gedanken wie ich deine.”

“Es sind die Grillen. Sie fliegen an einem hei0en Sommertag über die blonden Felder und ihre Flügel blitzen blass-blau oder knallrot, und sie knistern wie das alles verzehrende Feuer.”

“Ich verstehe nicht, was…”

“Ja. Das ist es. Ich kenne deine Gedanken, aber ich verstehe sie nicht.”

“Grillen?”

“Sie fliegen über das warme Feld, formen riesige, schwebende Gesichter und ihr Biss ist tödlich.”

“Metaphern!”

“Na und? Sie sagen mehr als der pure Schmerz.”

“Bemerkst du es?”

“Ja.”

“Gut. Dann schweigen wir jetzt. Die Frage verdient keine Antwort.”

“Janus, du weißt so gut wie ich, dass ich sie in zehn Minuten wieder stellen muss!”

“Ja, zehn Minuten Frieden”

“Frieden! Das ist kein Frieden!”

“Aber er kann als solcher gelten!”

“Das ist illusorisch.”

“So wie du.”

“Wir”

“Gut. Also wir. Ruhe jetzt.”

Konrad Schulze

“Ich verehre Sie so.”

“Warum?”

“Als ich gestern durch das Tal stieg, da atmeten die Bäume Ihr Gesicht.”

“Das ist ein schlechter Grund, mein Junge.”

“Nein nein, ich bin mir ganz sicher. Der Nebel roch nach Ihnen.”

“Ich bin erstaunt. Woher weißt du, wie ich rieche?”

“Ich weiß es nicht. Ich träumte es.”

“Du träumst Gerüche?”

“Ja. Ich konnte sie riechen. Und schmecken. Ihre Zunge war leicht säuerlich. Als hätten Sie geraucht.”

“Ich rauche nie”

“Und doch schmecken Sie säuerlich. Ich weiß es.”

“Humbug! So ein albernes Geschwätz! Du wirst doch den Träumen keinen Glauben schenken.”

“Warum denn nicht. Sie liegen überall auf der Straße herum. Man muss sie nur mitnehmen und füttern. Und dann bekommt man, was man will. ”

“Kind, du weißt nicht was du tust. Komm her, ich will dir helfen. Gib mir deine Hand. Es sind nicht die Träume, die deine Wünsche erfüllen. Ich möchte, dass du das verstehst. Sie spannen ein Netz um dich, dass dich deine Wünsche vergessen lässt. Sie schillern und schmeicheln und kühlen. Aber erfüllen, das können sie nicht.”

“–”

“Schau nicht so traurig.”

“Die Träume sind meine Freunde.”

“Ja, das sieht man.”

“Woran?”

“Deine Augen sind golden.”

“Oh wie wunderbar! Es ist ewig her, dass ich in einen Spiegel blickte. Früher waren sie braun.”

“Du träumst zu viel.”

“Ich will so viel.”

“Was willst du denn?”

“Ich will Sie riechen. Und schmecken.”

“Das ist ein seltsamer Wunsch.”

“Nein.”

“Nein? Aber natürlich ist er seltsam. Er sitzt auf dir wie ein schwarzer Rabe, der dir beide Augen ausgehackt hat.”

“Eben. Weil ich Sie nicht sehen kann, so bleibt nur noch das Riechen.”

“Du dummer Junge. Wozu hast du denn Hände? Mit ihnen kannst du viel besser sehen, als mit der Nase.”

“Sie träumen!”

“Nie! Wieso denkst du so etwas.”

“Sie träumen mit den Händen. Ich sehe es. Ihre Hände schweben. Ich wünschte ich könnte hören, was Ihre Hände hören.”

“Soll ich es auf deine Haut malen?”

“Nein.”

“Eben wolltest du den Kuss!”

“Ich habe Angst. Ich träumte so schön.”

“Ohja. Siehst du. Du bist schon gefangen in ihrem Netz. Küss mich. Küss mich und du wirst sehen, dass du die Träume nicht brauchst!”

“Erst muss ich eines wissen: wie machen Sie das mit den Bäumen?”

“Wovon sprichst du?”

“Sie atmeten Ihr Gesicht.”

“Das taten sie nicht. Ich habe keine Macht über die Bäume. So wenig, wie du Macht über den Wind besitzt.”

“Aber ich befehle dem Wind!”

“Du bist ein Kind.”

“Vielleicht gerade deshalb.”

“Ich sage: Küss mich! Und werde erwachsen!”

“Werde ich danach nicht mehr mit dem Wind sprechen können?”

“Du wirst es nicht mehr wollen.”

“–. Gehen Sie!”

“Wohin denn?”

“Gehen sie fort. Und nehmen sie Ihren Geruch mit. Ich brauche ihn nicht mehr.”

“Ich hätte ihn schlecht hier lassen können.”

“Sie haben wirklich keine Ahnung. Ich habe schon viele Gerüche gesammelt. Aber Ihren will ich nicht.”

“Weil er echt ist?”

“Weil er farblos ist.”

“Wirst du mitkommen?”

“In das gläserne Haus werde ich nicht folgen. Ich muss Sie enttäuschen. Nein.”

“Und was ist aus der Verehrung geworden?”

“Die werfe ich in den See.”

“Haha. Das könnte man als Umweltverschmutzung betrachten.”

“Ich weiß. Sie wollen, dass ich sie einpflanze. Damit sie blüht. Aber das werde ich nicht. Ich werde ein schleimiges Ungeheuer daraus machen, dass alle Träume frisst, in denen sie hier her zurückzukehren suchen.”

“Du bist der pure Trotz.”

“Deswegen sage ich noch Sie zu Ihnen. Einen anderen Grund sehe ich nicht.”

“Du könntest versuchen, zu verstehen, was ich sage!”

“Und wozu das Ganze? Ich habe verstanden, wer sie sind.”

“Weil du mir zugehört hast.”

“Nein. Weil ich Ihre Hände beim Tanzen beobachtete. Sie erzählen andere Dinge als Ihr Mund.”

“Mein Mund schmeckt besser.”

“Tut er das. Sie Widerling.”

“Ich könnte jetzt flehen. Aber das ist unter meinem Niveau.”

“Ihr Niveau ist schief. Man kann nichts darauf stellen. Alles rutscht.”

“Du wirst beleidigend.”

“Ja. Vielleicht gehen sie ja!”

“Vielleicht bleibe ich. Jemand muss auf dich aufpassen. Sonst schließen sich die Schatten um deine Augen.”

“Die hat der Rabe gefressen. Sie können gehen.”

“Ich werde gehen. Adieu.”

“Sie sind noch hier.”

“Ich weiß”

“–”

“Ich kann nicht. Ich höre auf, Sinn zu ergeben.”

“Ohne mich!”

“Ja.”

“Das heißt: ohne Träume.”

“Vielleicht.”

“Nein, mit Sicherheit. Jemand muss das Gesicht trinken, dass die Bäume atmen.”

“Ich schäme mich.”

“Das ist albern. Nur deshalb streiten wir. Sie sind das Kind.”

“Ich werde zerfallen in tausend Worte, wenn ich gehe. Und jedes wird sein eigenes Leben führen. Willst du das?”

“Es wäre das Spiel wert.”

“Träume, Spiele. Das bin ich nicht.”

“Doch. Durch mich.”

“Halt den Mund.”

“Mein Mund schmeckt besser.”

“Als was.”

“Als Ihrer.”

“Das wird absurd.”

“Schön.”

“Ich werde dich zwingen. Ich bin stärker als du!”

“Und wenn. Ich werde es überleben. Ich bin älter als Sie. Am Ende finden die Träume über meine Lippen endlich auch in Ihren Mund.”

“Niemals.”

“Probier’ es!”

“Ich kann nicht.”

“Siehst du! Wer hat hier Angst.”

“Wir.”

“–”

“–”

“Ja. Es ist seltsam. Ich werde spazieren gehen. Die Schildkröten haben das Zeitalter zu früh verlassen.”

“Ah, endlich. Wenn du so sprichst, brauch ich nicht mehr zu zuhören.”

“Sie sind unausstehlich!”

“Ich höre nichts, ich sehe nichts.”

“Das merkt man. Sie tun mir leid.”

Konrad Schulze